Lemberg

Ukraine: Unabhängige orthodoxe Kirche „Beitrag zur Einheit“

Für Katholiken mache die Gründung der von Russland unabhängigen „Orthodoxen Kirche in der Ukraine“ den Dialog leichter, so der Weihbischof von Lemberg, Edward Kawa. Bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen will er sich nicht für eine Partei aussprechen.

Gläubige der OKU beten in Kiew
Anhänger der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats nehmen an einem Gebetsgottesdienst in Kiew teil. Viele Ukrainer hätten sich in der Kirchenfrage zusammengetan, meint Weihbischof Kawa. Foto: - (Ukrinform)

Der ukrainische Weihbischof Edward Kawa sieht die Gründung der von Russland unabhängigen „Orthodoxen Kirche in der Ukraine“ (OKU) positiv. „Für uns Katholiken macht es den Dialog leichter“, so der Weihbischof von Lemberg in der Westukraine. Die „Orthodoxe Kirche in der Ukraine“ hätte eigentlich schon nach dem Zusammenbruch des Kommunismus entstehen sollen, erklärte Kawa im Gespräch mit dem internationalen päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. „Viele Ukrainer haben sich in der Kirchenfrage zusammengetan. Das ist ein Beitrag zur Einheit.“ Mitte Dezember hatten sich zwei ukrainische Kirchen zur OKU zusammengeschlossen.

Um Jesus vereinen, nicht um eine Partei

Am Sonntag finden in der Ukraine Präsidentschaftswahlen statt. Diesbezüglich betonte Kawa, dass sich Christen um Jesus vereinten – nicht um eine Partei oder einen Präsidenten. „Das schafft unnötige Wunden.“  Die Sorge um das Schicksal der Menschen im Land bereite ihm schlaflose Nächte, so Kawa. Die Spannungen mit Russland durchziehen die Politik und den Alltag, aber auch das Leben in der Kirche.

Nach der Maidan-Revolution in Kiew 2014, der blutigen Annexion der Halbinsel Krim sowie den andauernden Kämpfen in der Ostukraine bleibe die Angst allgegenwärtig, meinte der 40-jährige Franziskanerminorit weiter. „Die Lage bleibt sehr angespannt.“ Er habe Kontakt zu vielen Menschen, die im Kriegsgebiet lebten. „Die materielle Not ist enorm“, so Kawa.

Die Menschen sehnen sich nach Oasen des Friedens

„Die Menschen sind die Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine leid. Sie möchten einfach in Frieden leben.“ In den vom Krieg gezeichneten Städten Donezk und Luhansk gebe es kleine katholische Kirchen. Diese seien immer voll. „Die Menschen sehnen sich nach Oasen des Friedens. Das versucht die Kirche zu erfüllen“, erklärte der Weihbischof von Lemberg.

Die römisch-katholische Kirche in der Ukraine ist ein kleine, aber vitale Minderheit von rund einer Million Menschen. Etwa fünf Millionen Gläubige zählt die mit Rom unierte griechisch-katholische Kirche.

DT/mlu

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