Theologe Hoping kritisiert offenen Brief an Kardinal Marx

Die Verfasser verfolgten eine Agenda, die mit dem Missbrauchsskandal und seiner skandalösen Vertuschung nichts zu tun habe, meint der Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping.

Theologe Hoping kritisiert Reform-Forderungen
Dass im Rahmen des Treffens der Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen über das Frauenpriestertum, eine Aufhebung des Verbots der Weihe von homosexuellen Männern oder des Zölibats diskutiert werde, sei „reichlich illusorisch“, meint Hoping. Foto: Michael Kappeler (dpa)

Der Freiburger Theologe Helmut Hoping wirft den Unterzeichnern des offenen Briefs an Kardinal Marx und die deutschen Bischöfe vor, die Missbrauchskrise in der katholischen Kirche für eine Reformagenda zu instrumentalisieren. Das Schreiben, das im Wortlaut in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ abgedruckt worden war, enthalte die Forderung, die sogenannte „vormoderne Ordnung“ der Kirche zu überwinden. „Das ist eine Agenda, die mit dem Missbrauchsskandal und seiner skandalösen Vertuschung zunächst einmal gar nichts zu tun hat“, erklärt der Professor für Dogmatik an der Universität Freiburg im Breisgau im Gespräch mit dem Kölner Domradio.

Kein Wort über die Sanktionen für die Täter im offenen Brief

Hoping kritisiert darüber hinaus, dass der Brief kein Wort über die Sanktionen für die Täter und die verantwortlichen Bischöfe verliere. Derzeit würde ein Priester, der versucht zu heiraten, schwerer bestraft als ein Missbrauchspriester, so der 63-jährige Theologe. „Ich glaube, dass man so weit kommen muss, dass Priester, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben, laisiert und exkommuniziert werden.“ Hoping kann sich nicht vorstellen, wie ein Priester, der sich an Kindern vergangen hat, weiterhin „in persona Christi am Altar der Eucharistie vorstehen kann“.

Angesprochen auf die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz vom vergangenen September erklärte Hoping: „Die Studie besagt, dass es keine direkte Ursächlichkeit von Zölibat und Homosexualität und sexuellem Missbrauch gibt.“ Es müssten weitere Faktoren hinzukommen, wie etwa unreife Sexualität. „Weil es also hier keine direkte Kausalität gibt, sollte man auch zunächst einmal das Programm des Treffens der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Ende Februar in Rom ernstnehmen.“ Dass in dessen Rahmen über das Frauenpriestertum, eine Aufhebung des Verbots der Weihe von homosexuellen Männern oder des Zölibats diskutiert werde, sei „reichlich illusorisch“.

Hoping warnt vor Aufhebung des Weiheverbots Homosexueller

Der Dogmatik-Professor weist zudem auf Papst Franziskus hin, der erst während seines Rückflugs vom Weltjugendtag in Panama betont habe, dass für ihn ein optionaler Zölibat – wie von den Unterzeichnern des Briefes ins Spiel gebracht – nicht in Frage komme. Zudem sei die Frage, was man darunter versteht: „Ist damit eine völlige Entkoppelung der Lebensform vom Priesteramt gemeint – also eine Entscheidung des Priesters vor oder nach der Weihe, welche Lebensform er für sich am geeignetsten hält?“ Dies würde einen grundsätzlichen Traditionsbruch im Verständnis des Amtes fordern.

Den Vorstoß einiger Leiter von Priesterseminaren und auch einiger Bischöfe, das Verbot der Weihe von homosexuellen Männern zu Priestern bei Beibehaltung des Zölibats aufzuheben, lehnt Hoping ab. „Das wird zu nichts anderem führen als zu einer weiteren Homosexualisierung des Priesterklerus.“

Unterzeichner des offenen Briefs hatten "mutige Reformen" gefordert

In dem offenen Brief an Kardinal Marx und die deutschen Bischöfe fordern die Unterzeichner „mutige Reformen“. Zu den Verfassern gehören unter anderen der Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig und Klaus Mertes, der 2010 als ehemaliger Leiter des Berliner Canisius-Kollegs Fälle von Missbrauch an der Schule öffentlich gemacht.

DT/mlu

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