Synodalität und Kollegialität

Beim Bischofs-Gipfel zum Kinderschutz im Vatikan heben zwei Redner die zentrale Rolle der Bischöfe hervor. Von Guido Horst

Gipfeltreffen zum Thema Missbrauch mit Papst Franziskus
Für jede Reform und damit die Überwindung jeglichen Missbrauchs sei die Überzeugung fundamental, dass alle Mitglieder der Kirche eine wesentliche Rolle dabei hätten, so der US-Kardinal Blase Cupich. Foto: Giuseppe Lami (ANSA POOL/AP)

Mit gewissen Wiederholungen ist der Bischofs-Gipfel im Vatikan zum Kinderschutz in den zweiten Tag gegangen. In seinem Vortrag am heutigen Freitag betonte der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase Cupich, die Bedeutung der Synodalität innerhalb der Kirche. Für jede Reform und damit die Überwindung jeglichen Missbrauchs sei die Überzeugung fundamental, dass alle Mitglieder der Kirche eine wesentliche Rolle dabei hätten. „Wahre Synodalität ruft uns dazu auf, in dem Zeugnis der Laien eine Stärkung und Beschleunigung unserer Mission“ zu sehen, so Cupich. „Wir müssen ohne zu zögern Laien ausführlich in alle Anstrengungen zur Bildung und zum Aufbau von Strukturen der Rechenschaft einbeziehen.“

US-Kardinal Cupich legt Zwölf-Punkte-Plan vor

Zudem legte Cupich einen Zwölf-Punkte-Plan vor, der bestehende kirchenrechtliche Normen ergänzen und verschärfen soll. Demnach solle in Zukunft der Metropolit einer Kirchenprovinz eine Schlüsselrolle bei der Ermittlung gegen einen Bischof und im Ernstfall auch bei seiner Absetzung einnehmen. Bei den Ermittlungen müsse er mit kompetenten Laien zusammenarbeiten. Cupich sprach sich dafür aus, dass der Metropolitan-Erzbischof gegen jeden Bischof seiner Provinz ermitteln könne, wenn dieser im Umgang mit Missbrauchsfällen in seinem Bistum versagt hat oder selbst Missbrauchstäter war. Voraussetzung sei, dass glaubwürdige Beschuldigungen vorliegen und die Bischofskongregation im Vatikan der Ermittlung zustimmt. Falls ein Metropolit selbst unter Verdacht steht, so Cupich, Missbrauch begangen zu haben oder beim Umgang mit Missbrauch im Bistum versagt zu haben, solle nach Cupichs Vorlage der dienstälteste Bischof der Kirchenprovinz die Ermittlungen übernehmen.

Vor Cupich hatte der der indische Kardinal Oswald Gracias in seinem Vortrag gesagt, dass kein Bischof das Problem des Missbrauchs alleine lösen könne. Die Verantwortung gehöre allen Bischöfen gemeinsam. Kollegialität sei der Kontext, in dem mit Missbrauch umgegangen werden müsse. Umgekehrt gelte auch, dass kein Bischof sagen könne, dass ihn das Problem nichts angehe, weil er in einem anderen Teil der Welt lebe. Dass die Kirche in ganz verschiedenen Kulturen, Geschichten und Bräuchen lebe, sei kein Widerspruch dazu, meinte Gracias, die Verschiedenheit und die Einheit der gesamten Kirche gehörten zusammen.

Nach guter christlicher Tradition auch die brüderliche Zurechtweisung pflegen

Synodalität in der Kirche und Kollegialität unter den Bischöfen zu leben habe ganz praktische Auswirkungen, meinte der Kardinal weiter. Es bedeute zunächst ganz einfach, sich gegenseitig auch zu kritisieren, das heißt nach guter christlichen Tradition auch die brüderliche Zurechtweisung zu pflegen. Umgekehrt gehöre auch dazu, so Gracias weiter, anderen eigene Fehler einzugestehen und sie um Rat zu fragen ohne Angst, vielleicht Schwäche zu zeigen. „Ich bin davon überzeugt, dass es keine echten Alternativen zu Kollegialität und Synodalität in unserem gemeinsamen Vorgehen gibt“, meinte der Kardinal. In schwierigen staatskirchlichen Verhältnissen trotzdem sexuellen Missbrauch zu bekämpfen, brauche die Kollegialität aller Bischöfe und ihre Unterstützung, fügte Gracias an.

DT

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