Schwierige Zeiten für die Seelsorge

Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold nennt sieben Leitsätze, mit denen das geistliche Immunsystem gestärkt werden kann.

Seelsorge im Wandel
Hat die Pfarrei überhaupt noch Zukunft? Für viele aufrechte Katholiken stellt ihr Zustand eine regelrechte Prüfung dar. Foto: Matthias Balk (dpa)

Wie geht es der Kirche? Diese Frage treibt heute viele Gläubige und Priester um. Und zwar nicht nur für die Kirche als ganze, sondern auch für die Kirche vor Ort, also die Pfarrei. Denn da bleibt derzeit in vielen Bistümern kein Stein mehr auf dem anderen. Mancherorts entstehen überdimensionale Gebilde, eher Bürokratiemonster als eine Gemeinschaft von Gläubigen. Ob dadurch die Abwanderung ganzer Generationen aus den Gemeinden nicht noch beschleunigt wird? Was gilt also noch? Wie geht es weiter? Hat die Pfarrei überhaupt noch Zukunft? Für viele aufrechte Katholiken stellt ihr Zustand eine regelrechte Prüfung dar.

"Wo sind die echten Pfarrernaturen, die Glaube und Evangelisierung voranbringen?"

Wo sind die echten Pfarrernaturen, die mit klarem Blick und fester Hand Glaube und Evangelisierung voranbringen? Geschieht durch willkürliche Versetzungen nicht vielfach „Ungerechtigkeit am Volk Gottes“? Wie oft gibt man ihm Steine von leeren Phrasen anstelle des nahrhaften Brotes des Glaubens! Oder man nimmt gerade den Treuen ihre Beheimatung vor Ort. Das vertraute Haus der Heimatgemeinde scheint in einen Trümmerhaufen verwandelt. Was trägt, wenn alles wankt? Sieben geistliche Leitsätze seien dafür genannt.

Erstens: Rette deine Seele! Das alte Motto der Volksmissionen ist oft verunglimpft worden, doch nie war es so aktuell wie heute. Auch im schlimmsten Fall: Die Kirche kann und muss man nicht retten, wohl aber sich selbst. Nur dafür hat man eine letzte Verantwortung. Man könnte das Herrenwort aktualisieren: „Was nutzt es einem Menschen, wenn er in tausend Foren die Wunden der Kirche bloßlegt, dabei aber an seiner Seele Schaden nimmt?“

Viele übersehen oft, für das eigene Seelenheil Sorge zu tragen

Gerade für seelsorglich Tätige ist das eine reale Gefahr. Oft sind sie so sehr mit dem Zustand der Kirche, mit Vorgängen in Rom, mit Entwicklungen im Heimatsbistum und mit den düsteren Aussichten vor Ort beschäftigt, dass sie ganz übersehen, für das eigene Seelenheil Sorge zu tragen. Was also tue ich gegen Verbitterung, gegen bloßen Dienst nach Vorschrift, gegen Selbstgerechtigkeit und ungerechtes Urteil? Was tue ich für meinen Glauben, genauer für die Immunstärkung meiner Beziehung zu Gott, damit ich nicht der ungläubige Wolf im rechtgläubigen Schafspelz werde?

Sechs weitere Leitsätze des Pastoraltheologen Wollbold lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 31. Januar 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT