Papst-Vertrauter: Treffen mit Großimam hat „dramatische Notwendigkeit“

Franziskus arbeite „sehr clever“ für den Frieden und schaffe Szenarios, um eine Realität von Dialog und Verständigung herzustellen, meint der Rabbiner Abraham Skorka im Gespräch mit der „Tagespost“. Von Oliver Maksan

Rabbiner Skorka lobt Friedensbemühungen des Papstes
Der aus Argentinien stammende Rabbiner Skorka ist mit Papst Franziskus seit Jahren befreundet. Als erster Rabbiner war er Teil des päpstlichen Gefolges während der Reise von Papst Franziskus nach Israel, Palästina und Jordanien 2014. Foto: Andrew Medichini / Pool (AP POOL)

Ein enger jüdischer Vertrauter von Papst Franziskus hat die Bedeutung der Papstreise in die Vereinigten Arabischen Emirate hervorgehoben. Gegenüber der „Tagespost“ sagte Rabbiner Abraham Skorka am Sonntag in Abu Dhabi: „Das Treffen des Papstes mit dem Großimam der Kairiner Al Azhar-Universität ist eine dramatische Notwendigkeit. Die ganze Welt hat durch die Verbrechen des ,Islamischen Staats' realisiert, wie diabolisch die Verzerrung der Religion in Händen schlechter Menschen sein kann. Sie haben gemerkt, dass etwas getan werden musste. Das Treffen in Abu Dhabi ist das Resultat.“

Rabbiner Skorka ist seit Jahren mit Papst Franziskus befreundet

Papst Franziskus trifft am Montag in Abu Dhabi mit dem Großimam der als wichtigster sunnitischer Autorität geltenden Al Azhar –Universität und anderen Vertretern des Islam zusammen. Der aus Argentinien stammende Rabbiner Skorka ist mit Papst Franziskus seit Jahren befreundet. Als erster Rabbiner war er Teil des päpstlichen Gefolges während der Reise von Papst Franziskus nach Israel, Palästina und Jordanien 2014. Höhepunkt war damals die symbolische Umarmung des Papstes mit Skorka und einem muslimischen Vertreter vor der Jerusalemer Klagemauer.

Skorka zufolge geht Papst Franziskus bei seinen interreligiösen Initiativen planmäßig vor. „Es gibt ein Muster. Mein guter Freund Papst Franziskus ist ein Stratege. Er nutzt Politik im positiven Sinne des Wortes. Er arbeitet für den Frieden und das sehr clever. Er schafft Szenarios und spezielle Beziehungen, um eine Realität von Dialog und Verständigung zu schaffen.“ 2017, so Skorka, habe der Papst den Großimam in Kairo besucht. „Das war der erste Schritt. Ich war damals dabei. Jetzt sehen wir den zweiten Schritt in den Beziehungen zwischen der islamischen Welt und der Christenheit. Es ist sehr wichtig.“

Der Papst lässt sich von Rückschlägen nicht entmutigen

Papst Franziskus lasse sich dabei von Rückschlägen nicht entmutigen. „Nach seinem Besuch im Heiligen Land 2014 brach bald der Gaza-Krieg aus. Ich schrieb dem Papst eine E-Mail, um meiner Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, nachdem wir uns so für Frieden und Verständigung eingesetzt hatten. Papst Franziskus schrieb mir dann zurück: Es wird der Moment kommen, wo sich der Rauch der Schlacht legt. Und dann werden unsere Bemühungen Früchte tragen. Ich glaube, das gilt analog auch für dieses Treffen hier in Abu Dhabi.“

Als erster Papst in der Geschichte besucht Papst Franziskus derzeit die Arabische Halbinsel. Am Dienstag feiert er mit der aus Gastarbeitern bestehenden Ortskirche eine Heilige Messe. Über 130000 Teilnehmer werden dazu erwartet. Erstmals findet ein Gottesdienst auf öffentlichem Gelände statt. Die Emirate gelten im Vergleich mit den Nachbarländern als relativ offen gegenüber Nicht-Muslimen. Die etwa eine Million Katholiken genießen Gottesdienstfreiheit. Umfassende Religionsfreiheit, die Mission und Erlaubnis zum Religionswechsel für Muslime einschließt,  besteht aber nicht.

DT

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