Papst: Identität in Sozialen Netzen beruht zu oft auf Abgrenzung

In seiner Botschaft zum Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel am 02. Juni kritisiert Papst Franziskus, dass das Internet oft Nährboden für Gruppierungen sei, die regelrechte „Lawinen des Hasses“ losträten.

Was Papst Franziskus am Internet kritisiert
Im besten Fall, so der Papst, könnten Online-Communities Zusammenhalt und Solidarität vorweisen, „oft aber sind sie nur Ansammlungen von Individuen, die sich um Interessen oder Themen herum bilden und für die eine schwache Bindung der Einzelnen charakteristisch ist“. Foto: Andrew Medichini (AP)

Papst Franziskus warnt vor den Gefahren des Internets und insbesondere der Sozialen Netzwerke. In seiner Botschaft zum Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel am 02. Juni schreibt Franziskus: „Es muss anerkannt werden, dass die sozialen Netzwerke, obwohl sie einerseits dazu dienen, uns mehr zu verbinden, uns zueinander zu bringen und einander zu helfen, andererseits aber auch eine manipulative Nutzung personenbezogener Daten ermöglichen, um politische oder wirtschaftliche Vorteile zu erlangen.“ Der gebührende Respekt vor dem Menschen und seinen Rechten bleibe dabei oft außen vor.

Identätit in Sozialen Netzen zu oft Abgrenzung gegenüber anderen

Zudem müsse jedem klar sein, dass „Communities“ in Sozialen Netzen nicht gleichzusetzen seien mit „Gemeinschaft“. Im besten Fall, so der Papst, könnten Online-Communities Zusammenhalt und Solidarität vorweisen, „oft aber sind sie nur Ansammlungen von Individuen, die sich um Interessen oder Themen herum bilden und für die eine schwache Bindung der Einzelnen charakteristisch ist“.

Franziskus äußert den weiteren Kritikpunkt, dass die Identität in den Sozialen Netzen zu oft auf Abgrenzung gegenüber anderen basiere. „Man definiert sich über das, was trennt, und nicht über das, was eint.“ Damit schaffe man eine Plattform für Verdächtigungen und die Äußerungen von Vorurteilen aller Art. Dieser Trend sei ein „Nährboden für Gruppierungen, die Heterogenität ausschließen und auch im digitalen Bereich einen ungezügelten Individualismus nähren, ja manchmal sogar regelrechte Lawinen des Hasses lostreten“. Was eigentlich ein Fenster zur Welt sein sollte, werde zu einem Schaufenster, in dem man den eigenen Narzissmus zur Schau stelle, so der Papst.

Andere Menschen nicht als potenzielle Konkurrenten sehen

Um einen verantwortungsvollen Umgang mit Internet und Sozialen Netzen aufzuzeigen, beruft sich Franziskus auf die Metapher des Leibes und seiner Glieder. Mit deren Hilfe habe der heilige Paulus das Verhältnis der Gegenseitigkeit zwischen den Menschen beschrieben. „Legt deshalb die Lüge ab und redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten; denn wir sind als Glieder miteinander verbunden“ (Eph 4,25). Alle Christen verstünden sich als Glieder des einen Leibes, dessen Haupt Christus ist. „Das hilft uns, andere Menschen nicht als potenzielle Konkurrenten zu sehen, sondern auch unsere Feinde als Mitmenschen zu betrachten.“

Der aktuelle Kontext fordere alle auf, in Beziehungen zu investieren und auch im Internet und durch das Internet den zwischenmenschlichen Charakter des Menschseins zu bekräftigen, schreibt Franziskus. „Noch mehr sind wir Christen aufgerufen, jene Gemeinschaft sichtbar werden zu lassen, die unsere Identität als Gläubige kennzeichnet.“ Der Glaube sei schließlich selbst Beziehung und Begegnung. Unter dem Einfluss der Liebe Gottes „können wir das Geschenk, das der Andere ist, mitteilen, annehmen, verstehen und darauf reagieren“.

DT/mlu

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