Sibiu/Rom

Papst Franziskus: "Betet für Europa!"

"Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität", so der Heilige Vater.

Papst besucht erstmals Rumänien - und zeigt sich besorgt über Europa.
Papst besucht erstmals Rumänien - und zeigt sich besorgt über Europa. Foto: Andreaa Alexandru (AP)

Papst Franziskus hat sich sehr besorgt gezeigt angesichts jüngster Entwicklungen in Europa. Bei seinem Rückflug von Rumänien am Sonntagabend forderte er mitreisende Journalisten auf: "Betet für Europa!"

Franziskus: "Lernen wir aus der Geschichte"

Zuvor war er nach seiner Einschätzung zunehmend nationalistischer Tendenzen in Europa gefragt worden. Man möge an die Lage 1914 oder die 1930er Jahre denken, so der Papst. "Lasst uns nicht dahin zurückkehren; lernen wir aus der Geschichte", warnte er. Auf die Frage eines deutschen Journalisten, was er zur Stärkung Europas gegen nationalistische Tendenzen empfehle, verwies Franziskus unter anderem auf seine Ansprache bei der Karlspreisverleihung 2016. "Lesen Sie auch, was der Bürgermeister von Aachen damals sagte, das ist ein Kleinod, das von Ihnen Deutschen stammt", so der Papst.

Der Traum von einem "neuen europäischen Humanismus"

Bürgermeister Marcel Philipp hatte damals unter anderem gemahnt, die Herausforderungen durch die Globalisierung, ob durch Finanzwirtschaft oder Migration, seien so groß, dass Europa diese nur gemeinsam schaffe oder gar nicht. "Familien schaffen es nur gemeinsam, Städte schaffen es nur gemeinsam, Europa schafft es nur gemeinsam oder gar nicht", so Philipp damals. Der Papst selber sagte 2016, er träume von einem "neuen europäischen Humanismus", der sich durch die Fähigkeit zu Integration, Dialog und Kreativität auszeichne. Nachdrücklich verteidigte er Kulturoffenheit und Mut zur Veränderung: "Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität", so der Papst.

Trennungen und Grenzen überwinden

Am Sonntagabend wiederholte er, Europa müsse sich der Gedanken seiner Gründerväter vergewissern und sie neu beleben. Mit allem, was eine gute Politik biete, müsse daran gearbeitet werden, Trennungen und Grenzen zu überwinden. Natürlich habe jedes Land seine Kultur, die es schützen müsse. Dies solle aber in Einheit geschehen. Im Übrigen müsse jeder seinen Teil dazu beitragen, dass die europäische Einheit wachsen könne. Man dürfe nicht darauf setzen, dass Brüssel alles regelt. "Die wechselnde EU-Ratspräsidentschaft ist kein bloßer Akt der Höflichkeit, einmal bist du dran, einmal du - wie bei einem Menuett", mahnte der Papst. Jedes Land habe seine Pflicht, damit es Europa gut geht, sonst werde der Kontinent "verwelken".

EU-Ratspräsidentschaft: Rumänien hat erstmals den Vorsitz

Derzeit hat das von Franziskus gerade besuchte Rumänien erstmals den Vorsitz. Bei seiner Ansprache vor den Vertretern von Politik und Gesellschaft in Bukarest am ersten Besuchstag hatte der Papst ebenfalls auf diese Verantwortung hingewiesen und Rumänien für seinen Beitrag gedankt.

KNA / DT (jobo)

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

Rückblick