Orthodoxer Metropolit warnt vor Schisma durch „Ökumene von unten“

Orthodoxe, katholische und evangelische Christen wollten die Ökumene, aber man müsse so vorsichtig vorgehen, dass keine neuen Spaltungen provoziert würden, so der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos.

Metropolit Augoustinos in Bonn
Auch die orthodoxe Kirche habe Probleme in der Frage der Interkommunion, meinte der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos beim Katholikentag. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Mit Blick auf den Konflikt um so genannte Einzelfallregelungen bei der Kommunionzulassung für Nichtkatholiken in konfessionsverschiedenen Ehen hat der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, am Donnerstag auf dem Katholikentag in Münster vor einem Schisma gewarnt. „Wir müssen alle aufpassen. Es kann sein, dass man in der Absicht, zu einigen, Schismen bewirkt.“ Orthodoxe, katholische und evangelische Christen wollten die Ökumene, aber man müsse so vorsichtig vorgehen, dass keine neuen Spaltungen provoziert würden. Auch die orthodoxe Kirche habe Probleme in der Frage der Interkommunion. Die Christen in Deutschland müssten Fragen zum Abendmahl, zur Kommunion und bezüglich des Kirchenverständnisses„sauber klären“. Die orthodoxe Kirche könne konfessionsverschiedene Paare trauen, lehne aber die Kommuniongemeinschaft ab. „Wir haben zwischen Orthodoxen und Katholiken keine Interkommunion, obwohl wir fast den selben Glauben haben. Und das ist richtig“. Er sprach sich dafür aus, dass die Katholiken um der Ökumene willen an der bestehenden Lehre festhalten, nach der Eucharistiegemeinschaft Kirchengemeinschaft voraussetzt.

Der Metropolit erinnerte an die Maxime des Patriarchen Athenagoras von Konstantinopel (1886-1972), der Liebe und Wahrheit als Leitmotive des ökumenischen Dialogs empfohlen hatte. „Beides gehört zusammen. In der Ökumene ist nicht alles möglich“. Ausdrücklich distanzierte sich der Metropolit im Gespräch mit dieser Zeitung von der in evangelischen Kreisen herrschenden Auffassung, Abendmahlsgemeinschaft sei gerechtfertigt, weil es Christus sei, der einlade. „Das ist eine totale Vereinfachung. Auch die Gemeinde lädt ein im Glauben, dass die anderen, die zur Kommunion kommen, den selben Glauben teilen“. Wenn die Gläubigen die Einheit ohne Theologen und Bischöfe „machen“ wollten, „wäre das für mich eine Katastrophe“.

Es sei ehrlich, anzuerkennen, dass es in der Ökumene Probleme gebe. Er fürchte eine „Ökumene von unten“ und ihre „fehlende Weisheit“, sagte der Metropolit. Man müsse in der Ökumene jeden Schritt überlegen und die Christen mitnehmen auf de Weg zur Einheit. „Sonst sehe ich schwarz“. Er höre in Deutschland bei Gemeindebesuchen oft die Auffassung, Christen, Juden und Moslems glaubten an den gleichen Gott. Daran sehe er, dass die Kirchen ihre Verantwortung nicht ausreichend wahrgenommen hätten.  Der Metropolit fordert ein lebendigeres Glaubenszeugnis der Christen. Diese müssten anderen ein Beispiel geben. In der Ökumene müsse über Neuevangelisierung gesprochen werden.

DT/reg