Washington

Offener Brief: George Weigel kritisiert „synodalen Weg“

Der Zölibat habe mit sexuellem Missbrauch genauso wenig zu tun wie die Ehe mit ehelicher Gewalt, schreibt der katholische US-Publizist George Weigel in einem offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx.

"Synodaler Weg": Kritik an Marx
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, muss Kritik am jüngst beschlossenen "synodalen Weg" einstecken, beispielsweise vom US-Publizisten George Weigel. Foto: Arne Dedert (dpa)

Der katholische US-Publizist George Weigel übt in einem offenen Brief Kritik an Kardinal Reinhard Marx und dem „synodalen Weg“, den die deutsche Bischofskonferenz als Antwort auf die Missbrauchskrise beschlossen hat. „Wie kann der ,synodale Weg' einer lokalen Kirche ,verbindliche' Ergebnisse über Themen hervorbringen, die die gesamte katholische Kirche betreffen?“, fragt Weigel in dem Brief, den die „Tagespost“ in deutsche Übersetzung veröffentlicht hat.

Meisten Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger innerhalb der Familien

Bereits der Anglikanische Kirchenbund habe dies versucht und sei jetzt in endgültiger Auflösung begriffen, schreibt Weigel. „Die anglikanischen Ortskirchen, die den Weg des kulturellen Entgegenkommens beschritten haben, sind im Koma. Ist das das Vorbild, das Sie und Ihre Mitbrüder im Bischofsamt für richtig halten?“

Der Biograph von Papst Johannes Paul II. wirft zudem die Frage auf, was der Zölibat für Priester des lateinischen Ritus mit der Krise durch sexuellen Missbrauch zu tun habe. Die Antwort gibt Weigel prompt selbst: „Der Zölibat hat mit sexuellem Missbrauch genauso wenig zu tun wie die Ehe mit ehelicher Gewalt.“ Empirische Studien deuteten darauf hin, dass die meisten Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger innerhalb der Familien stattfänden.

Krise durch sexuellen Missbrauch werde als Waffe gegen Zölibat genutzt

Und auch in protestantischen Glaubensgemeinschaften, in denen die Priester heiraten dürfen, litten diese unter der „Plage“ des sexuellen Missbrauchs. „Wäre es nicht zynisch, sich vorzustellen, dass die Krise durch sexuellen Missbrauch jetzt als Waffe verwendet wird, um einen Angriff auf den Priesterzölibat vorzunehmen, nachdem es anderen Geschützen nicht gelungen ist, diese alte katholische Tradition zu verdrängen?“, fragt der 67-Jährige.

Warum George Weigel Kardinal Marx' Behauptung vehement widerspricht, dass die personale Bedeutung der Sexualität bislang keine hinreichende Beachtung in der Kirche finde, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 28. März 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT