Washington

Neuer Washingtoner Erzbischof verpflichtet sich der Transparenz

„Ich werde euch immer die Wahrheit sagen“, verspricht der neue Washingtoner Erzbischof Wilton Gregory den Gläubigen. Innerhalb der Kirche kritisiert er eine Kultur des Klerikalismus.

Neuer Washingtoner verspricht Transparenz
Zu häufig sei versucht worden, Geistliche zu schützen und zu verhindern, dass Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte der neue Washingtoner Erzbischof Gregory. Foto: Rick_Wilking (REUTERS_POOL)

Der neue Washingtoner Erzbischof Wilton Gregory hat sich mit dem Versprechen der bedingungslosen Transparenz erstmals den Gläubigen präsentiert. Er könne der Erzdiözese Washington nur dienen, indem er die Wahrheit sage, so Gregory jüngst bei einer Pressekonferenz. Der 71-Jährige war vom Vatikan als Nachfolger von Kardinal Donald Wuerl ernannt worden. Dieser war im Zuge der Missbrauchskrise zurückgetreten.

Gregory nennt Vorgänger Wuerl einen "Gentleman"

Gregory, der zuvor 15 Jahre Erzbischof von Atlanta war, versprach, in allen Angelegenheiten transparent zu sein, auch wenn er sich selbst einer Sache nicht völlig sicher sei. „Ich werde euch immer die Wahrheit sagen, so wie ich sie verstehe.“ Die Ankündigungen Gregorys fallen in eine Zeit, in der sich die Washingtoner Erzdiözese noch immer von der Krise um den ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick erholt. Der heute 88-Jährige war von 2001 bis 2006 Erzbischof von Washington. Er wurde von Papst Franziskus in den Laienstand versetzt, weil er mehrere Minderjährige sexuelle missbraucht haben soll.

McCarricks Nachfolger im Amt des Erzbischofs, Kardinal Donald Wuerl, war vorgeworfen worden, schon länger von den Vergehen gewusst, jedoch nichts unternommen zu haben. Papst Franziskus nahm dessen Rücktritt vergangenen Oktober an. Der neue Erzbischof Gregory, der von 2001 bis 2004 Vorsitzender der US-Bischofskonferenz war, nannte seinen Vorgänger einen „Gentleman“, der hart für die Kirche arbeite und seine Fehler eingeräumt habe. „Das ist ein Zeichen von Integrität dieses Mannes.“

Gregory: Werde für Fehler Wuerls Verantwortung übernehmen

Sollte jemals die Situation eintreten, dass er für einen Fehler Wuerls die Verantwortung übernehmen müsse, so werde er dies tun, erklärte Gregory weiter. Darüber hinaus kritisierte er eine Kultur des Klerikalismus innerhalb der Kirche. Zu häufig sei versucht worden, Geistliche zu schützen und zu verhindern, dass Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden.

In seiner Amtszeit als Vorsitzender der US-Bischöfe kamen die ersten Missbrauchsfälle in der katholischen US-Kirche ans Licht. Gregory erzählte von einem Treffen mit Papst Johannes Paul II., in dessen Rahmen er dem damaligen Katholikenoberhaupt vom Ausmaß der Krise berichtet habe. Schon damals habe er den Papst informiert, dass die Missbrauchsfälle noch viel weiter reichten. Den Vorsitz der US-Bischofskonferenz habe er in dem Wissen abgegeben, dass er nach bestem Gewissen die Wahrheit gesagt habe. „Und das werde ich auch in der Erzdiözese Washington tun.“

DT/mlu

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