Nach den Gründen der Missbrauchskrise wurde nicht gefragt

Warum der Kinderschutz-Gipfel im Vatikan die Erwartungen nicht erfüllt hat. Von Guido Horst

Warum der Missbrauchsgipfel gescheitert ist
24.02.2019, Italien, Rom: Opfer von sexuellem Missbrauch und Mitglieder des ECA (Ending Clergy Abuse) halten Schilder auf dem Petersplatz nach Abschluss des Gipfeltreffens der Katholischen Kirche zum Thema Missbrauch. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

Der Missbrauchs-Gipfel im Vatikan am vergangenen Wochenende hatte eine Vorgeschichte: Im Sommer erschütterte das Bekanntwerden der homosexuellen Umtriebe von Kardinal Theodore McCarrick nicht nur in den Vereinigten Staaten die Öffentlichkeit. Da auch Minderjährige betroffen waren, entließ der Papstes den Erzbischof aus dem Kardinalsstand. Dann kamen die Anklageschriften des ehemaligen Nuntius Carlos Maria Viganò: Im Vatikan hätten viele von der Lebensführung McCarricks gewusst. Schließlich kündigte Franziskus Mitte September den Missbrauchs-Gipfel an. Ab da hätte das Vorbereitungskomitee an einem Aktionsplan arbeiten müssen, in dem auch die homosexuellen Seilschaften im Klerus und die Kultur des Verschweigens im Episkopat einiger Länder und im Vatikan hätten thematisiert werden müssen.

Keine Antworten auf konkrete Fragen

Fünf Monate lang hatte der Vatikan Zeit, das Treffen ordentlich vorzubereiten. Es gibt viele offene Fragen. Sie betreffen das kirchliche Strafrecht, die Aufsicht über nachlässige oder gar vertuschende Bischöfe, die Beteiligung von Laien beim Kinderschutz, die Arbeitsabläufe zwischen Rom und den Ortskirchen und die Auswahl der Kandidaten für das Priesterum und für das Bischofsamt. Fachleute hätten dazu sprechen, es hätte entsprechende Papiere und augearbeitetes Material können. Stattdessen war die Botschaft ganz am Ende, dass der Vatikan jetzt zu arbeiten beginnt und es kleinere Folgetreffen geben wird.

Kindesmissbrauch ist für den Vatikan kein Neuland

Vor allem aber: Wenn ein Organismus von einer Krankheit befallen ist, fragen die behandelnden Ärzte nach den Gründen und den Erregern, die diesen Organismus infiziert haben. Das hat in Rom keiner getan.

Auch die am Schluss des Kinderschutz-Gipfels dann angekündigten Papiere, ein „Vademecum“ der Glaubenskongregation, Dekrete des Papstes für das Gebiet des Vatikanstaats und Pläne für die Ortskirchen beratende „task forces“ hätten eigentlich schon den Teilnehmern des Gipfels im Entwurf vorliegen können. Nach all den Jahren ab dem Jahr 2000 ist Kindesmissbrauch für den Vatikan schließlich kein Neuland mehr. Stattdessen blieb es jetzt bei einer allgemeinen Verurteilung der Plage des Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen. Das war einfach zu wenig.

Eine ausführliche Analyse des Kinderschutz-Gipfels im Vatikan lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 28. Februar 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT