Missbrauch: Junge Katholiken fordern unabhängige Untersuchung

In einem offenen Brief fordert eine Gruppe junger katholischer Intellektueller und Aktivisten, dass eine unabhängige Untersuchung der Missbrauchsfälle in der US-Kirche. Zudem müssten sich Geistliche der kirchlichen Sexuallehre neu verpflichten.

Missbrauchsvorwürfe gegen Theodore McCarrick
Um das Vertrauen der Gläubigen wiederherzustellen, seien öffentliche Akte der Reue und Wiedergutmachung von Seiten der Bischöfe nötig, so Schmitz. Foto: Bob Roller (KNA)

Im Missbrauchsskandal um den ehemaligen Washingtoner Erzbischof, Theodore McCarrick, werden die Rufe nach einer unabhängigen Untersuchung lauter: Eine Gruppe junger katholischer Schriftsteller, Intellektueller und Aktivisten reiht sich mit einem offenen Brief in die Gruppe derer ein, die der Meinung sind, dass eine Untersuchungskommission innerhalb der Bischöfe nicht mehr ausreiche. Diese Ansicht hatte jüngst erst der Bischof von Albany, Edward Scharfenberger, geäußert.

Der kirchlichen Sexuallehre neu verpflichten

In dem offenen Brief, der auf der Website des katholischen Magazins „First Things“ veröffentlicht wurde, fordern die Unterzeichner neben einer unabhängigen Untersuchung hochrangige Geistliche dazu auf, sich der kirchlichen Sexuallehre neu zu verpflichten. Matthew Schmitz, Chefredakteur bei First Things und einer der Unterzeichner, erklärte gegenüber der amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur CNA, dass der Brief von „einer vielfältigen Gruppe von Katholiken mit unterschiedlichem Hintergrund“ unterstützt werde.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Wir fordern eine gründliche, unabhängige Untersuchung der Vorwürfe gegen Erzbischof McCarrick, sowohl Minderjährige wie Erwachsene missbraucht zu haben. Wir wollen wissen, wer in der Kirchenhierarchie zu welchem Zeitpunkt von seinen Verbrechen wusste, und wie diese Personen darauf reagiert haben. Dies ist das geringste, das auch von jeder säkularen Organisation erwartet werden würde; es sollte nicht mehr sein, als wir von der Kirche erwarten können.“

"Wollen neue Haltung von Seiten der Bischöfe sehen"

Die Verfasser des Briefes erklären zudem, dass sie mit ihrem Schreiben einerseits auch auf die Bitte des Vatikan an junge Gläubige eingehen wollen, im Vorfeld der Jugendsynode persönliche Glaubenszeugnisse zu liefern und über die Rolle der Kirche in ihrem Leben zu sprechen.

First-Things-Chefredakeur Schmitz erklärte gegenüber CNA, dass er den Brief als Aufruf an die kirchlichen Amtsträger zur Transparenz und Rechenschaft sehe. „Wir würden uns wünschen, dass Licht ins Dunkel gebracht wird. Wir wollen eine Untersuchung. Wir wollen eine neue Haltung von Seiten der Bischöfe sehen“, so Schmitz. Solch eine Untersuchung müsse von Personen geleitet werden, die nicht direkt mit McCarrick in Verbindung stünden. Zudem sollten sie sowohl an den Vatikan wie auch unmittelbar an die katholischen Gläubigen Bericht erstatten.

Problem geht über Vorwürfe gegen McCarrick hinaus

Für Schmitz spricht der offenen Brief ein Problem an, das über die Vorwürfe gegen McCarrick hinausgeht. Die kirchliche Lehre zu Sexualität und Enthaltsamkeit müsse aufs Neue betont werden. Öffentliche Akte der Reue und der Wiedergutmachung von Seiten der Bischöfe seien notwendig, um unter den Gläubigen wieder Vertrauen herzustellen. 

DT/mlu

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