Missbrauch: Australischer Kardinal Pell schuldig gesprochen

Das Gericht in Melbourne sieht es als erwiesen an, dass der ehemalige Finanzchef des Vatikan einen Chorknaben vergewaltigt und einen weiteren Jungen sexuell belästigt hat.

George Pell für schuldig befunden
Morgen wird das Gericht Beratungen über das Strafmaß aufnehmen, das gegen Kardinal Pell verhängt wird. Eine Entscheidung wird für kommende Woche erwartet. Foto: Erik Anderson (AAP)

Der australische Kardinal George Pell ist wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Der 77-Jährige wurde schuldig gesprochen, einen Chorknaben vergewaltigt und einen weiteren Jungen sexuell belästigt zu haben. Das Urteil war bereits am 11. Dezember 2018 gefallen. Es hatte jedoch ein Berichterstattungsverbot gegolten, da gegen Pell noch ein weiteres Verfahren lief. So sollte vermieden werden, dass der Schuldspruch den zweiten Prozess gegen den ehemaligen Vatikan-Finanzchef beeinflusste.

Ranghöchster katholischer Würdenträger, der wegen Missbrauchs verurteilt wurde

Kardinal Pell ist der ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Australischen Medienberichten zufolge ist das Urteil einstimmig gefällt worden. Für das Gericht in Melbourne gilt somit als erwiesen, dass der Kardinal vor 22 Jahren zwei 13-Jährige zum Oralverkehr gezwungen haben soll. Wie australische Medien berichten, soll Pell, der damals Erzbischof von Melbourne war, die Jungen zudem mehrmals sexuell missbraucht haben.

Morgen wird das Gericht Beratungen über das Strafmaß aufnehmen, das gegen Kardinal Pell verhängt wird. Eine Entscheidung wird für kommende Woche erwartet. Der ehemalige Finanzdirektor des Vatikan muss mit bis zu 50 Jahren Haft rechnen. Pell hatte stets behauptet, unschuldig zu sein.

Opfer stirbt an Überdosis: Pell droht weitere Klage

Eines der Missbrauchsopfer verlas im Gerichtssaal eine Erklärung. Darin bat der Mann die Medien um Achtung seiner Privatsphäre. „Ich bin kein Sprecher zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern. Es gibt viele andere Opfer und Aktivisten, die diese Rolle mutig ausfüllen", hieß es in der Erklärung, die australische Medien im Wortlaut veröffentlichten.

Pell muss noch mit einer weiteren Klage rechnen: Das zweite Opfer war im Jahr 2014 im Alter von 31 Jahren an einer Überdosis Heroin gestorben. Der Vater des Mannes sieht die Verantwortung für den Tod seines Sohnes bei Pell. Nach dem Missbrauch durch den Kardinal habe der Junge an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten, erklärte die Anwältin des Vaters. Daher wolle man juristisch gegen den Kardinal vorgehen.

DT/mlu

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