Marx: "Die Kirche steht an einem Wendepunkt"

Der Münchner Kardinal äußerte sich zum Auftakt der Herbstvollersammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), bei der eine von den Bischöfen in Auftrag gegebene Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche vorgestellt werden soll. Von Kilian Martin

Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gibt zu Beginn der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ein Statement ab. Foto: Arne Dedert (dpa)

Angesichts des Missbrauchsskandals steht die katholische Kirche laut Kardinal Reinhard Marx an einem Wendepunkt. Dies gelte für die Kirche in Deutschland, aber auch darüber hinaus, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Montag in Fulda. Marx äußerte sich zum Auftakt der DBK-Vollversammlung, wo am Dienstag eine von den Bischöfen in Auftrag gegebene Studie vorgestellt werden soll. Der Ergebnisse waren teilweise bereits vor gut zwei Wochen bekannt geworden.

Marx sieht Glaubwürdigkeit der Kirche bedroht

Die von einem unabhängigen Forscherkonsortium durchgeführte Studie hatte gezeigt, dass in den 27 deutschen Diözesen seit 1946 mindestens 1 670 Kleriker des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt wurden. Die Studie ermittelte dabei 3 677 Geschädigte. Die Erkenntnis dieses Ausmaßes wie auch Missbrauchsfälle in anderen Teilen der Weltkirche stelle die Kirche vor große Fragen, erklärte Marx. Dazu gehöre auch, wie sie mit ihrer eigenen Zukunft umgeht. "Ich spüre, hier ist ein Wendepunkt", so der Kardinal. Er sehe derzeit insbesondere die Glaubwürdigkeit der Kirche bedroht.

Für die deutschen Bischöfe ergebe sich nun der Dreischritt: "Hinhören, verstehen, Konsequenzen ziehen." Die Oberhirten wollen sich laut Marx auch darüber austauschen, wie in den deutschen Bistümern bislang mit Missbrauchsfällen verfahren wurde.

Zusammenfassung der Studie an Papst Franziskus übergeben

Laut eigener Aussage habe der Kardinal die Zusammenfassung der Studie bereits an Papst Franziskus übergeben. Nach Marx' Kenntnis habe Franziskus diese jedoch noch nicht gelesen. Zu Unstimmigkeiten bezüglich der ungeplanten Veröffentlichung der Studienergebnisse erklärte der Kardinal: "Das ist Schnee von gestern." Verschiedene Medien hatten in den vergangenen Wochen aus der Studie zitiert, bevor diese den Bischöfen selbst vorgelegen hatte. Auf diesen Umstand hatte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer kritisch hingewiesen. Die Bischofskonferenz hatte daraufhin entgegen dem ursprünglichen Plan das über 350 Seiten starke Papier bereits in der vergangenen Woche an ihre Mitglieder verschickt.

Auch Kommunionempfang konfessionsverschiedener Ehepartner auf Tagesordnung

Neben einem Studientag zur Missbrauchsstudie wollen sich die Oberhirten bei ihrer traditionellen Herbst-Vollversammlung in Fulda auch zu weiteren aktuellen Themen austauschen. Auf der Tagungsordnung stehe laut Marx auch die von der DBK verfasste "Orientierungshilfe" zur Frage des Kommunionempfangs konfessionsverschiedener Ehepartner von Katholiken. Innerhalb der Bischofskonferenz hatte es in den zurückliegenden Monaten darüber Uneinigkeit gegeben. Während einige Bischöfe in ihren Diözesen eine Zulassung von evangelischen Ehepartnern zur Eucharistie formulierten, lehnten andere diesen Schritt ab. Eine Gruppe von acht Bischöfen hatte sich mit der Bitte an den Vatikan gewandt, das Papier dahingehend zu prüfen, inwiefern es eine weltkirchlich zu entscheidende Frage behandelt. Laut Marx steht das DBK-Papier derzeit jedoch nicht weiter zur Debatte: "Es ist jetzt eine Lösung gefunden für die nächste Zeit."

Zu den weiteren Themen der bis Donnerstag dauernden Vollversammlung gehöre laut dem Kardinal die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dieses sei besonders durch zurückliegende Ereignisse wie in Chemnitz virulent geworden. Laut Marx arbeitet die DBK derzeit jedoch nicht an speziellen Texten etwa zum Thema Populismus.

Der Deutschen Bischofskonferenz gehören die Bischöfe und Weihbischöfe aus den 27 deutschen (Erz-) Diözesen an. Sie trifft sich zweimal jährlich zu einer Vollversammlung. Tagungsort der Herbstvollversammlung ist traditionell das Priesterseminar in Fulda neben dem Grab des heiligen Bonifatius.

DT

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