Würzburg/Münster

Liturgiewissenschaftler kritisiert Qualität von Eucharistiefeiern

Eine „Bildungs- und Qualitätsoffensive“ für die Eucharistie fordert der Würzburger Liturgiewissenschaftler Martin Stuflesser. Gottesdienste seien oft lieblos und ohne jede ästhetische und theologische Qualität heruntergefeiert.

Kritik an Qualität von Eucharistiefeiern
Wortgottesdienste mit Kommunionspendung, die mangels Priester in manchen Gemeinden gefeiert würden, seien „eigentlich ein Unding“, so der Liturgiewissenschaftler Stuflesser. Foto: Bernd Thissen (dpa)

Der Würzburger Liturgiewissenschaftler Martin Stuflesser sieht den Umgang mit der Eucharistie in der katholischen Kirche als „großes Problem“. Im Gespräch mit der Münsteraner Bistumszeitung „Kirche + Leben“ fordert er, dass alles dafür getan werden müsse, damit es genügend Vorsteher für die Eucharistie gebe.

Sonntägliche Eucharistiefeier für Gemeinde überlebensnotwendig

Die sonntägliche Eucharistiefeier sei vom kirchlichen Selbstverständnis her „überlebensnotwendig für eine christliche Gemeinde“, betont Stuflesser. Daher seien Wortgottesdienste mit Kommunionspendung, die mangels Priester in manchen Gemeinden gefeiert würden, „eigentlich ein Unding“. Die heilige Kommunion würde so aus dem Zusammenhang der Eucharistie herausgerissen, obwohl es bereits seit der frühen Kirche eine enge Verbindung von Eucharistie und dem Sonntag als „Herrentag“ gebe. „Ich habe die Sorge, dass unsere Kirche diese Verbindung im Moment zu leichtfertig aufgibt“, so Stuflesser.

Zudem fordert der Liturgiewissenschaftler, der auch die Deutsche Bischofskonferenz berät, eine „Bildungs- und Qualitätsoffensive“ für die Eucharistie. Nur so könne sie die Bedeutung gewinnen, die ihr eigentlich zukomme. Auch den Einsatz sozialer Medien wie Youtube, Facebook oder Instagram kann sich Stuflesser dabei vorstellen. „Was es da bislang gibt, ist doch weit hinter dem, was technisch und inhaltlich möglich und sinnvoll wäre.“

"Ich frage mich vielmehr, warum die zehn
Prozent, die noch da sind, sich eine lieblos,
ohne jede ästhetische und theologische Qualität
heruntergefeierte Liturgie überhaupt noch antun"
Martin Stuflesser, Liturgiewissenschaftler

Bei vielen Eucharistiefeiern, die Stuflesser selbst als Gläubiger erlebe, frage er weniger, warum die 90 Prozent sonntags nicht kommen. „Ich frage mich vielmehr, warum die zehn Prozent, die noch da sind, sich eine lieblos, ohne jede ästhetische und theologische Qualität heruntergefeierte Liturgie überhaupt noch antun.“

Die Kritik an der Qualität vieler Eucharistiefeiern teilt auch Alexander Saberschinsky, Liturgiereferent im Erzbistum Köln. Das Niveau der Gottesdienste sei vorsichtig formuliert „sehr disparat“, erklärte er gegenüber dem Kölner Domradio. „Da wäre mehr möglich und da bleiben wir unter unseren Möglichkeiten.“

Eucharistie: Auch die Gläubigen in der Pflicht

Gleichzeitig sieht Saberschinsky auch die Gläubigen in der Pflicht: Gerade nach dem Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils seien die Träger des Gottesdienstes, mit all den unterschiedlichen Rollen, alle Versammelten. „Insofern ist die Frage der Kultur genauso an die normalen Gläubigen zu richten. Da braucht es auch noch liturgische Fortbildungen.“

DT/mlu

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