Fulda

Kommunionverbot für Abtreibungsbefürworter: Pro und Contra

Helfen öffentliche Kommunionverbote, um die Gewissen von Abtreibungsbefürwortern zu sensibilisieren? Pater Bernward Deneke von der Petrusbruderschaft und der emeritierte Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen beziehen in diesem Zusammenhang gegensätzliche Standpunkte.

Kommunionverbote für Abtreibungsbefürworter
Gegen Kommunionverbote für Abtreibungsbefürworter ist der emeritierte Fuldaer Bischof Algermissen: An den Pranger zu stellen im Sinne eines öffentlichen Tribunals sei nie eine gute Methode der Seelsorge. Foto: Sebastian Gollnow (dpa)

In den Vereinigten Staaten haben bereits mehrere Bischöfe zur Maßnahme öffentlicher Kommunionsverbote gegriffen, um das Verhalten katholischer Politiker, die für liberale Abtreibungsgesetze eintreten, anzuprangern. Doch hilft dies, das Gewissen von Abtreibungsbefürwortern zu sensibilisieren? Pater Bernward Deneke von der Petrusbruderschaft und der emeritierte Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen beziehen in diesem Zusammenhang gegensätzliche Standpunkte.

Abtreibung zu befürworten ist keine beliebige Verfehlung

Der Pro-Choice-Politiker sei nicht irgendein Katholik, der gut daran tue, vor dem Kommuniongang nochmals sein Gewissen zu erforschen. In Sachen Abtreibung handele es sich eben nicht um eine x-beliebige Verfehlung irgendwo zwischen „unandächtig gebetet“ und „ungeduldig gewesen“, schreibt Deneke.

Wörtlich schreibt Deneke: „Im Urteil der Kirche sei die vorgeburtliche Kindstötung ein ,verabscheuungswürdiges Verbrechen' (Vat. II, GS 51), belegt mit einer Exkommunikation ipso facto (CIC can. 1398). Und ihre Förderung ist ebenfalls verwerflich, hat doch gemäß der Instruktion ,Donum vitae' (1987) die staatliche Autorität die Pflicht, das Lebensrecht Ungeborener zu schützen und dafür .geeignete Strafmaßnahmen' einzusetzen; denn ,wenn die Staatsmacht sich nicht … in besonderer Weise in den Dienst dessen stellt, der am schwächsten ist, dann werden die Grundmauern des Rechtsstaates untergraben'.“ (III)

"Das verabscheuungswürdige Verbrechen
bleibt ein verabscheuungswürdiges Verbrechen.
Daran zu erinnern, gehört zur
prophetischen Sendung der Kirche"
Pater Bernward Deneke

Ein katholischer Politiker, der für die Liberalisierung der Abtreibung eintritt, stehe somit gegen die Lehre seiner Kirche, in der Öffentlichkeit und für die Öffentlichkeit. Er zertrümmere die Fundamente des Gemeinwesens, indem er dessen schutzbedürftigste Glieder zur Tötung freigibt, so Pater Deneke. „Mag sein, dass viele Zeitgenossen das nicht mehr so dramatisch empfinden – dennoch bleibt das verabscheuungswürdige Verbrechen ein verabscheuungswürdiges Verbrechen. Daran zu erinnern, gehört zur prophetischen Sendung der Kirche.“

Algermissen: Öffentliche Exkommunikation fragwürdig

Demgegenüber hält der emeritierte Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen das Vorgehen amerikanischer Bischöfe, die Pro-Choice-Politiker öffentlich exkommunizieren, für fragwürdig. An den Pranger zu stellen im Sinne eines öffentlichen Tribunals sei nie eine gute Methode der Seelsorge, unterstreicht Algermissen und verweist auf seine persönliche Erfahrung.

Die Tatsache, dass die betroffenen Abgeordneten, bei denen er eine hinreichende Kenntnis über die kirchliche Position vermute, dennoch zugunsten der Liberalisierung der Abtreibung gestimmt hätten, offenbare ein Kernproblem, das weit über das Geschehen in Illinois hinausreiche. Algermissen wörtlich:

"Woher eigentlich die innere Blockade,
das Lebensrecht des ungeborenen Kindes
und seine fundamentale Begründung
konsequent anzuerkennen?"
Heinz Josef Algermissen

„Woher eigentlich die innere Blockade, das Lebensrecht des ungeborenen Kindes und seine fundamentale Begründung konsequent anzuerkennen? Warum sind so viele unfähig, die Personwürde des Menschen und die Unverletzlichkeit seines leiblichen Daseins von allem Anfang an zu akzeptieren? Jedenfalls wäre eine ernste inhaltliche Auseinandersetzung in einem persönlichen Gespräch des Bischofs mit den beiden Abtreibungsbefürwortern sicher die erste Option gewesen. Aufklärung zugunsten eines umfassenden Lebensschutzes ist ein weitaus wirksameres Mittel zur Gewissensbildung als der Versuch, das Sakrament der Eucharistie zu Sanktionszwecken einzusetzen.“

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DT