Kardinal Wuerl will Rücktritt mit Franziskus diskutieren

In absehbarer Zukunft will der Washingtoner Erzbischof mit Papst Franziskus zusammentreffen. Die Entscheidung über seine Personalie sieht Wuerl als wesentlichen Aspekt, damit die Kirche nach vorne schauen kann.

Wuerl will Franziskus treffen
Kardinal Donald Wuerl zusammen mit Papst Franziskus bei dessen Besuch in Washington im Jahr 2015. In den letzten Wochen wurden die Forderungen immer lauter, der Papst müsse den Rücktritt Wuerls annehmen. Foto: Drew Angerer (EPA)

Der US-Kardinal Donald Wuerl, Erzbischof von Washington, hat sich in einem Schreiben an die Priester seines Erzbistums gewandt. Darin legt er dar, dass er sich in absehbarer Zukunft mit Papst Franziskus treffen und seinen Rücktritt als Erzbischof von Washington diskutieren will. Diesen hatte er bereits im November 2015, als Wuerl sein 75. Lebensjahr vollendete, eingereicht.

Wuerl in Missbrauchskrise mit Vorwürfen konfrontiert

Die Entscheidung über seine zukünftige Rolle im Erzbistum Washington bezeichnet Wuerl als „wesentlichen Aspekt“, damit die Kirche nach vorne schauen kann. Im Zuge der Missbrauchskrise in der katholischen Kirche waren die Forderungen an Papst Franziskus, Wuerls Rücktritt zu akzeptieren, immer lauter geworden.

Als die Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Kardinal und Wuerls Vorgänger im Amt des Washingtoner Erzbischofs, Theodore McCarrick, im Juni publik wurden, wurde Wuerl vorgeworfen, vom Fehlverhalten McCarricks gewusst, jedoch nichts dagegen unternommen zu haben. Und auch im Missbrauchsbericht einer „Grand Jury“ des US-Bundesstaats Pennsylvania wurden Vorwürfe gegen Wuerl erhoben: Als Bischof von Pittsburgh soll er Missbrauchsvorwürfen nicht nachgegangen sein.

Auch Viganò warf Wuerl Mitwisserschaft vor

Nicht zuletzt das Schreiben des ehemaligen US-Nuntius Carlo Viganò, in dem der italienische Erzbischof auch Papst Franziskus schwere Vorwürfe macht, streute erneut Zweifel an Wuerls Unschuld in der Missbrauchskrise.

In seinem aktuellen Schreiben erklärt Kardinal Wuerl darüber hinaus, dass er sich bereits am 3. September mit Priestern zusammengesetzt habe, um angesichts der jüngsten Enthüllungen von Kindesmissbrauch durch Geistliche und dem Versagen kirchlicher Aufsichtsmechanismen über die beste Vorgehensweise zu beraten.

Noch kein konkretes Datum für Treffen zwischen Wuerl und Papst

Ein Sprecher des Erzbistums Washington, Ed McFadden, bezeichnete Wuerls Brief als Beweis eines „ernsten und konstruktiven Entscheidungsprozesses“, den der Kardinal durchlaufen habe. Zudem sei das Schreiben ein Zeichen der Wertschätzung der Unterstützung und des Engagements von Seiten der Priester in Washington. „Er kann das Bedürfnis nach Heilung nachvollziehen und will unbedingt ein Teil davon sein, anstatt der Kirche, die er liebt, noch mehr Schaden zuzufügen“, so McFadden.

Ein exaktes Datum eines Treffens zwischen Kardinal Wuerl und Papst Franziskus nannte das Erzbistum Washington noch nicht.

DT/mlu

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