Kardinal Brandmüller: Abtreibung „unter allen Umständen böse“

Kontrazeption, Abtreibung und Homosexualität sind für Kardinal Walter Brandmüller „sittlich negative Handlungen“. Zweck der Sexualität sei die Zeugung und Geburt von Kindern.

Kardinal Brandmüller zum Naturrecht
Michelangelos "Erschaffung Adams": Wie schon Adam lehne sich auch der Selbstmörder gegen Gott auf, so Kardinal Brandmüller Foto: Wikicommons

„Die Tötung eines Unschuldigen ist immer und unter allen Umständen böse.“ Dies betont Kardinal Walter Brandmüller im Gespräch mit dem konservativen Magazin „Cato“. Sie könne durch keine äußeren Umstände und durch keine inneren Zwänge entschuldigt werden. Schon die Parole „Mein Bauch gehört mir!“ ist für den 89-jährigen Brandmüller in zweifacher Hinsicht falsch und fatal.

Jedes Kind gehört Gott

„Zum einen gehört das Kind im Mutterleib nicht der werdenden Mutter, und auch ihr Bauch selbst gehört ihr nicht. Das verblüfft viele. Es ist aber doch sonnenklar.“ Eine Frau habe ihren Körper weder selbst gemacht noch gekauft. „Und noch viel weniger gehört das Kind der Frau“, so der Kardinal. „Es gehört Gott. Kein Mensch hat das Recht, über das Leben eines Unschuldigen zu verfügen.“

Ebenso wie die Tötung eines Ungeborenen seien auch Kontrazeption, Homosexualität und Masturbation unter allen Umständen böse. „Das sind alles in sich sittlich negative Handlungen, weil contra naturam“, so Brandmüller, der von 1998 bis 2006 Präsident der Internationalen Kommission für vergleichende Kirchengeschichte war. Natura sei das, was den Menschen im Unterschied zu allen anderen Dingen zum Menschen mache. Den genuinen Sinn und Zweck der Sexualität sieht der Kardinal in der Zeugung und Geburt von Kindern. Wer die menschlichen Geschlechtsorgane in einer Weise einsetze, die ihren Sinn widerspreche, handle gegen die Natur.

Der Mensch kann nicht entscheiden, sein Leben zu beenden

Als Naturrecht bezeichnet Kardinal Brandmüller ein „Recht, ein sittliches Sollen, das in der Natur – vor allem des Menschen – begründet ist“. Im Sinne des Naturrechts sei es deshalb gerecht, „seinsgemäß“ zu handeln. „Aus dem Wesen der Sache heraus ergibt sich für den handelnden Menschen die mit der Vernunft zu erkennende sittliche Norm.“ Würden der Mensch die Beachtung des Naturrechts im großen Maßstab aufgeben, bedeutete dies die „Selbstzerstörung von Mensch und Gesellschaft“, warnt Brandmüller.

Der Mensch könne auch nicht selbst darüber entscheiden, sein Leben zu beenden. „Selbstmord ist im Grunde genommen Auflehnung gegen Gott, gegen den Schöpfer wie schon bei Adam“, erklärt der Kardinal. Wie schon Adam leugne auch der Selbstmörder sein Geschaffensein. „Er will autonom sein. Das ist Auflehnung gegen Gott – und ein tragischer Irrtum.“

Im Gespräch mit dem „Cato“-Magazin äußert sich Kardinal Brandmüller auch zum Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI., der ihn 2010 in den Kardinalsrang erhoben hatte. Für ihn dieser nach wie vor schwer zu verstehen. „Wer weiß, welche Faktoren im Hintergrund dafür entscheidend waren. In zweitausend Jahren ist kein Papst aus persönlichen Gründen zurückgetreten.“

DT/mlu

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