Jugendsynode: Zwischen Synodalität und Primat

Auf der Jugendsynode ging es um das Zuhören. Das schließt aber nicht aus, dass Papst Franziskus auch weiterhin seine eigenen Entscheidungen trifft.

Jugendsynode
Wo Gott ist, ist Zukunft, bekennt ein junger Mann anlässlich des Papstbesuchs 2011. Daran hat sich nichts geändert. Foto: Wolfgang Radtke (KNA)

Das Wichtigste bei Jugendsynode in Rom war diesmal nicht das Abschlussdokument, sondern das, was vorher stattgefunden hat: Es ging um die Methode der Bischofsversammlung, bei der etwa 270 Bischöfe und 36 Jugendliche unter dreißig Jahren als so genannte „Auditoren“ mit Papst Franziskus in der Synodenaula zusammensaßen. Mit anderen Worten: Es ging um das Zuhören. Die Bischöfe sollten den jungen Leuten zuhören – und nicht umgekehrt.

„Wir haben eure Ohren vollgeredet“

Und um das nochmals zu unterstreichen, entschuldigte sich Franziskus in seiner Predigt bei der Abschlussmesse im Petersdom ausführlich für das häufige Verhalten der „Alten“ gegenüber den „Jungen“: „Ich möchte den jungen Menschen im Namen von uns Erwachsenen sagen: Verzeiht uns, wenn wir euch oft kein Gehör geschenkt haben; wenn wir, anstatt euer Herz zu öffnen, eure Ohren vollgeredet haben.“ Eher als ein päpstliches Dokument über die Probleme junger Menschen könnte man sich jetzt, nachdem die Jugendsynode beendet ist, ein Schreiben über den synodalen Stil der Kirchenführung erwarten – über das Zuhören und das Schaffen von geschützten Räumen, in denen der Heilige Geist, so wie es in der Synodenaula geschehen sollte, wirken kann.

Der jesuitische Zug des gegenwärtigen Pontifikats

Doch den Abschluss der Synode so zu interpretieren, dass nun auch in Rom bei Fragen der Kirchenleitung die Zeit des Zuhörens und des Dialogs angebrochen ist, verkennt den jesuitischen Zug des derzeitigen Pontifikats. Ein Jesuitenoberer lässt sich beraten, sucht den Austausch, fördert das Gespräch. So wie es Franziskus mit dem Rat der neun Kardinäle, der ihm bei der Reform der Kurie und darüber hinaus helfen soll, gewissermaßen institutionalisiert hat. Dann aber entscheidet der Obere und alle müssen folgen. Der Jesuitenpapst versteht sehr wohl, Gehorsam gegenüber seiner Primatsgewalt einzufordern. Der Eindruck, mit der Jugendsynode seien nun Dialog und Zuhören die Hauptinstrumente der Kirchenführung, täuscht.


Franziskus winkt mit der Fahne der Synodalität, hält aber auch den Stab des Primats fest in der Hand. Mehr dazu im „Blickpunkt“ des Rom-Korrespondenten Guido Horst und auf einer ganzen Seite in der aktuellen Druckausgabe der „Tagespost“. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT

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