Jesus - unsere Freude

Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters beim Angelus am 11. März.

Generalaudienz mit Papst Franziskus
Papst Franziskus begrüßt die Menschen während der Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan am 31. Mai 2017. Foto: Paul Haring (KNA)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen vierten Fastensonntag, der auch Sonntag „Laetare“ - das heißt „freue dich“ - genannt wird, lautet der Eröffnungsvers der Eucharistischen Liturgie, der uns zur Freude einlädt: „Freue dich, Stadt Jerusalem! – so heißt es, das ist ein Aufruf zur Freude – Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart“. So beginnt die Messe. Was ist der Grund dieser Freude? Der Grund ist die große Liebe Gottes zur Menschheit, wie uns das heutige Evangelium zeigt: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16). Diese Worte, die Jesus bei seinem Gespräch mit Nikodemus sagt, stellen die Zusammenfassung eines Themas dar, das im Zentrum der christlichen Verkündigung steht: auch wenn die Lage verzweifelt scheint, greift Gott ein, um dem Menschen Heil und Freude anzubieten. Denn Gott steht nicht abseits, sondern er tritt in die Geschichte der Menschheit ein, er „mischt sich ein“ in unser Leben, er tritt ein in unser Leben, um es mit seiner Gnade zu erfüllen und es zu erlösen.

Wir sind aufgerufen, auf diese Verkündigung zu hören und die Versuchung zurückzuweisen, uns als zu selbstsicher anzusehen, die Versuchung, ohne Gott auskommen zu wollen und absolute Freiheit von ihm und seinem Wort zu fordern. Wenn wir den Mut finden, uns als das zu erkennen, was wir sind, - das erfordert Mut! - dann stellen wir fest, dass wir Menschen sind, die ihre Schwächen und ihre Grenzen berücksichtigen müssen. Dann kann es geschehen, dass wir von Furcht erfasst werden, von Unruhe über den morgigen Tag, von der Angst vor Krankheiten und vor dem Tod. Das erklärt, warum so viele Menschen auf der Suche nach einem Ausweg manchmal gefährliche Abkürzungen nehmen wollen, wie etwa den dunklen Gang der Drogen oder des Aberglaubens oder verhängnisvoller magischer Rituale. Es ist gut, die eigenen Grenzen, die eigenen Schwächen zu kennen, wir müssen sie kennen, aber nicht, um zu verzweifeln, sondern um sie dem Herrn darzubringen; und Er hilft uns auf dem Weg der Heilung, er nimmt uns an der Hand und lässt uns nie allein, nie! Gott ist bei uns und daher „freue“ ich mich, „freuen“ wir uns heute: „Freue dich, Jerusalem“, heißt es, weil Gott bei uns ist.

Wir haben die wahre und große Hoffnung auf Gott, den Vater, der reich ist an Barmherzigkeit und uns seinen Sohn geschenkt hat, um uns zu erlösen. Das ist unsere Freude. Wir haben auch viel Kummer, aber wenn wir wahre Christen sind, dann gibt es jene Hoffnung, eine kleine Freude, die wächst und dir Sicherheit verleiht. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wenn wir unsere Grenzen, unsere Sünden, unsere Schwächen sehen: Gott ist nahe, Jesus ist am Kreuz, um uns zu heilen. Das ist die Liebe Gottes. Auf den Gekreuzigten zu blicken und uns innerlich zu sagen: „Gott liebt mich“. Es ist wahr, es gibt diese Grenzen, diese Schwächen, diese Sünden, aber Er ist größer als die Grenzen, die Schwächen und die Sünden. Vergesst das nicht: Gott ist größer als unsere Schwächen, unsere Untreue, unsere Sünden. Geben wir dem Herrn die Hand, blicken wir auf den Gekreuzigten und gehen wir voran.

Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, gebe unserem Herzen die Gewissheit ein, dass wir von Gott geliebt sind. Sie sei uns nahe in den Momenten, in denen wir uns allein fühlen, wenn wir versucht sind, uns den Schwierigkeiten des Lebens zu beugen. Sie teile uns die Gefühle ihres Sohnes Jesus mit, damit unser Weg durch die Fastenzeit Erfahrung der Vergebung, der Annahme und der Liebe werde.

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller