Kelkheim

Islamischer Extremismus contra Aufruf zur Feindesliebe

Das Jesuswort „Es ist vollbracht!“ gibt Christen auch im Schrecken große Hoffnung. Von Ado Greve

Gedenken an die Opfer der Anschläge in Sri Lanka
Sri Lanka zeigt: Christenverfolgung ist eines der Übel unserer Tage. Foto: Eranga Jayawardena (AP)

Die Regierung in Sri Lanka hat die Zahl der am Sonntag durch Anschläge auf Kirchen und Hotels Getöteten auf 253 nach unten korrigiert. Das Leid jedoch bleibt unverändert groß. Und die Korrektur macht noch einmal das Grauen deutlich: Denn laut Gesundheitsministerium waren die Körper derart verstümmelt, dass die Zählung der Getöteten nur schwer durchzuführen war. Nach zahlreichen Verhaftungen möglicher Täter gilt noch immer der Ausnahmezustand im Land, denn es seien noch weitere Anschläge möglich, warnt die Polizei. Gottesdienste sowie Freitagsgebete wurden abgesagt. Nun nimmt man die Warnungen ernst.

Die Leiterin einer christlichen Gemeinde in Bayern, die selbst viele Jahre in Sri Lanka gelebt hat, ist dorthin gereist, um Christen in diesen schweren Tagen beizustehen. Sie schrieb am Donnerstag per Mail an Open Doors, dass die Polizei bereits mehrfach in die Gemeinde kam, um zu sehen, ob alles gut sei. Aus dem gleichen Grund rief sie mehrmals pro Tag beim Pastor an. Noch am Donnerstag habe die Polizei im ganzen Land Dutzende von Sprengsätzen und Waffen gefunden. Sie beendet ihre Mail mit den Worten: „Wir sind sehr dankbar in allem und im Herzen zuversichtlich, dass Gott über uns und das Land wacht. Danke für Eure stetigen Gebete.“

Der extremistische Islam ist eine der Haupttriebkräfte von Christenverfolgung

Mehr als 200 Millionen Christen sind weltweit einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt, berichtet das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors zum aktuellen Weltverfolgungsindex 2019. Mehr als die Hälfte der 50 Länder, in denen es für Christen am gefährlichsten ist, ihren Glauben zu leben, sind islamisch geprägt. Religionsfreiheit gibt es dort nicht, ein Glaubenswechsel ist nur erlaubt hin zum Islam. Die Abkehr vom Islam gilt dagegen als todeswürdiges Verbrechen. Christen – und vielfach auch andere religiöse Minderheiten – erleben seitens der Anhänger eines streng-konservativen Islam Unterdrückung und Verfolgung in allen Lebensbereichen. Eine Unterscheidung hinsichtlich des Islamverständnisses ist nicht immer eindeutig möglich: Waren die Zehntausende, die nach dem Freispruch der Christin Asia Bibi in den Straßen mehrerer großer Städte in Pakistan lautstark forderten: „Hängt Asia Bibi“, alle Extremisten?

Statistiken, die den weltweiten und damit auch den islamisch motivierten Terrorismus beobachten, sprechen insgesamt von einem Rückgang des Terrorismus. Gleichzeitig nimmt jedoch der gegen Christen gerichtete islamisch motivierte Extremismus in vielen Ländern zu. Große Anschläge auf Kirchen und christliche Gruppen – oft an christlichen Feiertagen – sind dafür nur ein Beleg: 2015 zu Ostern auf die Universität in Garissa, Kenia, mit 149 Ermordeten, fast alle christliche Studenten; Ostern 2015 auf zwei Kirchen in Lahore, Pakistan; im Folgejahr auf ein Osterpicknick von Christen mit mehr als 70 Toten. Ägypten: Kurz vor Weihnachten 2016 gab es einen Anschlag auf die Peter-und-Paul-Kathedrale in Kairo: 29 tote Christen. Am Palmsonntag 2017 Anschläge auf Kirchen in Tanta und Alexandria mit fast 50 Ermordeten. Außerdem eine Mordserie an Christen auf der Sinai-Halbinsel. Islamisch-extremistische Gruppierungen rühmten sich jeweils der Bluttaten.

Menschenrechtliche und geistliche Sichtweise auf Christenverfolgung  

Nach dem Anschlag im Dezember 2016 schrieben die Christen aus Ägypten an Open Doors: „Heute Nacht haben wir für die gebetet, die die Bombe in unserer Kirche versteckt haben. Wir Christen beten für unsere Verfolger.“ Nach dem Anschlag in Garissa verlas eine Moderatorin im kenianischen Radio eine Botschaft an die Attentäter: „Deshalb, ihr Männer von Al Shabaab, die ihr meine Brüder und Schwestern ermordet habt, hört: Ich vergebe euch! Ja, ich vergebe euch. Während in euren Herzen der Hass regiert, werde ich mein Herz mit Liebe füllen – so wie Jesus das getan hat. Ihr wolltet unsere Freude zu Ostern dämpfen. Doch an Ostern geht es um Menschen wie euch. Jesus ist am Kreuz gestorben, um euch aus euren Sünden zu erretten, wenn ihr umkehrt. Ich hasse euch nicht. Ich liebe euch. Ich vergebe euch.“

Widerstand gegen die Verkündigung des Evangeliums haben die Nachfolger von Jesus Christus von Beginn an erlebt. Verhaftungen und Folter durch staatliche Behörden sowie Mord und Gewalt bis hin zur Steinigung durch religiöse Gruppierungen sind berichtet. Christenverfolgung war von Anfang an gegen das Evangelium gerichtet und die, die es verkünden. Das ist heute nicht anders.

Es gibt also eine geistliche wie auch eine menschenrechtliche Dimension von Christenverfolgung. Entsprechend sind auch die Reaktionen aus geistlicher und menschenrechtlicher Sicht verschieden. Die Christen rufen auf zu Gebet und Vergebung. Aus politischer Sicht braucht es – um Christen in den Ländern zu helfen, wo sie verfolgt werden – ein konsequentes Einfordern der Religionsfreiheit und eine klare Sicht auf die Ursachen von Christenverfolgung. Ein Blick auf die selbsternannten „Hüter des Islam“ Saudi-Arabien und Iran und die Situation der Menschenrechte und der Christen dort lässt fragen, ob der Islam eine friedliche Religion ist. Religionsfreiheit wird nur da möglich sein, wo einer Religion das Konzept der Freiheit und der gleichen Würde aller Menschen innewohnt.

Der Autor ist Pressereferent von Open Doors Deutschland.

DT (jobo)

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