Inmitten der Menschen die evangelischen Räte leben

Die Cruzadas de Santa Maria wollen die weltlichen Strukturen durch den Geist des Evangeliums bereichern. Ein Gespräch mit Marieta Góngora, Leiterin der Münchner Niederlassung des Säkularinstituts, und Christoph Ohly, dem Leiter der Priestergemeinschaft. Von Oliver Gierens

Im Dienst der Neuevangelisierung
Das Apostolat des Säkularinstituts Cruzadas de Santa Maria besteht darin, durch ein gottgeweihtes Leben das Evangelium in die moderne Gesellschaft hineinzutragen. Foto: fotolia.de

Frau  Góngora, Ihr Gründer Pater Morales hat gesagt, die Cruzadas seien „Maria, sonst nichts“. Was heiß das konkret?

Maria Góngora: Das heißt, dass Maria als Vorbild und Urbild der Kirche auch unser Vorbild ist, ebenso eine Fürsprecherin. Pater Morales hat eine große Liebe zur Muttergottes gehabt. Er hat uns gelehrt, diese Liebe auch im Alltag zu leben. Es ist keine reine, fromme Liebe, sondern ein Versuch, die Tugenden Mariens im Leben umzusetzen. Es bedeutet, Marias Treue und Offenheit für den Willen Gottes in unserem Leben zu leben. Maria ist der sichere Weg, zu Christus zu kommen.

Sie schreiben auch auf Ihrer Homepage, das Marianische an Ihnen sei, eher unscheinbar und ohne äußere Erkennungszeichen aufzutreten. Sie tragen zum Beispiel keinen Habit. Wie erkennen die Menschen dann überhaupt, dass Sie gottgeweihte Frauen sind?

"Unser Habit soll die einfache Freude und die freudige Einfachheit sein"

M.G.: Wir sind Mitglieder eines Säkularinstituts. Das macht ein solches Institut aus, dass ihre Mitglieder mitten in der Welt leben und mitten unter den Menschen die evangelischen Räte leben. So versuchen sie, die weltlichen Strukturen durch den Geist des Evangeliums zu bereichern. Unser Gründer, Pater Morales, sagt uns, unser Habit soll die einfache Freude und die freudige Einfachheit sein.

Sie arbeiten ja teilweise auch in weltlichen Berufen...

M.G.: Ja, wir arbeiten als Lehrerinnen, als Kindergärtnerinnen, als Ärztinnen... Wir haben hauptsächlich erzieherische Berufe, aber nicht ausschließlich.

Geben Sie sich da den Leuten zu erkennen? Erfahren die Menschen, dass Sie einen christlichen Hintergrund haben?

M.G.: Wir verbergen es nicht. Wir versuchen, nicht immer durch Worte, sondern auf ganz natürliche Weise zu bezeugen, was wir sind.

Sie bezeichnen sich auch als teresianisch oder ignatianisch. Was verbirgt sich dahinter?

M.G.: Ignatius von Loyola ist ein Fürsprecher für uns. Unser Ordensgründer war Jesuit. Selbstverständlich hat auch das, was er gelebt hat, das Werk geprägt, das der Heilige Geist durch ihn ins Leben gerufen hat. Hauptsächlich erkennen wir diese Prägung durch die ignatianischen Exerzitien, die wir als Mitglieder dieses Instituts einmal im Jahr machen. Außerdem halten wir mindestens zweimal im Leben 30 Tage lang Exerzitien, jeweils bevor unsere zeitlichen und ewigen Gelübde ablegen.

In der Stille Christus begegnen

Darüber hinaus erkennen wir in den ignatianischen Exerzitien eine Möglichkeit, dass der moderne Mensch in der Stille Christus begegnet. Deswegen halten wir regelmäßig diese Exerzitien für junge Erwachsene, außerdem monatlich einen Einkehrtag, einen Tag der Stille und der Betrachtung des Evangeliums. Außerdem pflegen wir die Sakramente der Kirche, besonders Eucharistie und Beichte.

Was bedeutet für Sie Neuevangelisierung? Wie prägt sie ihre Arbeit?

M.G.: Evangelisierung bedeutet für mich persönlich, dass ich in meinem Alltag das lebe, was ich jeden Tag betrachte. Wir betrachten jeden Tag das Leben Christi und das Evangelium. Wir wollen den Menschen von heute notfalls mit Worten, aber vor allem mit Haltung vermitteln, dass ihr Leben erfüllt ist, dass sie ihr Leben mit einem tiefen Sinn leben können, und dass sie durch diese Erfahrung dazu kommen, sich zu fragen, was dahinter steckt.

"Menschen sind geliebte Kinder Gottes"

Und meine Sehnsucht und die von allen Mitgliedern unseres Instituts und allen, die mit uns verbunden sind, besteht darin, den modernen Menschen zu sagen, dass sie geliebte Kinder Gottes sind, dass Gott sie liebt, und dass dieser Gott Mensch geworden ist, um ihnen ganz nah zu sein. Er hat uns erlöst von allem, was unser Leben schwer machen kann. Und diese Frohe Botschaft möglichst vielen Menschen bekannt zu machen, das ist die große Sehnsucht, die ich persönlich und alle Mitglieder des Instituts im Herzen tragen.

Herr Professor Ohly, die Cruzadas sind eigentlich ein Säkularinstitut, bei dem gottgeweihte Frauen die Mitglieder sind. Warum gibt es zusätzlich eine Priestergemeinschaft?

Christoph Ohly: Das war dem Gründer immer klar, dass es im Dienst der geweihten Frauen ohne die Priester nicht geht. Es ist ja ein Bild für die Kirche, das gemeinsame Priestertum aller Getauften und das sakramentale Amtspriestertum, das im Dienst an diesem gemeinsamen Priestertum steht. Wir haben vor gut 15 Jahren in einem Kreis von diözesanen Priestern – ich selbst gehöre ja der Erzdiözese Köln an – überlegt, was wir selbst für uns und für unsere Berufung tun können.

"Ohne die Priester geht es nicht"

Aber wir haben dann auch gesagt, wir lassen uns von diesem geistlichen Charisma prägen – diesem ignatianischen Stamm, in dem – wie Pater Morales gesagt hat – teresianischer Lebenssaft fließt. Das ist für uns als Weltpriester, egal ob in der Pfarrei oder an der Uni, eine gute und wichtige Hilfe. Und das ganze kann man gut in einem Wort von Pater Morales zusammenfassen: Ein Laie ohne einen Priester, der kann etwas tun, und ein Priester ohne einen Laien kann sicher auch einiges tun. Aber beide zusammen können alles in dem, der sie gemeinsam stark macht.

Und deswegen ist das, wenn ich das richtig sehe, bei uns nie eine Frage, wer etwas darf oder wer etwas kann, sondern eben dieser Gedanke, dass wir zusammenwirken müssen gemäß unserer eigenen Berufung, damit wir wirklich unseren Auftrag, auch im Sinne der Neuevangelisierung, erfüllen können.

Sie begleiten junge Menschen, vor allem Frauen, außerdem Familien. Hier in München haben Sie ein Studentinnenwohnheim. Aber sie bieten auch Auslandspraktika an, bei denen Jugendliche ein Jahr in Südamerika in sozialen Brennpunkten arbeiten. Worum geht es dabei?

M.G.: Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die nach dem Abitur ein Jahr die Sehnsucht haben, ein Sozialjahr zu machen, und die nicht immer in Deutschland bleiben, sondern in ein Land gehen wollen, wo sie tatsächlich sehen können, dass das, was sie als Hilfe leisten, unmittelbar fruchtbar wird. Wir haben in Peru eine Missionsstation. Dort können Studentinnen und Studenten für ein halbes oder ganzes Jahr oder auch nur für ein paar Wochen nach Lima gehen. Dort können sie in einem Armenviertel dazu beitragen, dass die Armut mehr und mehr beseitigt wird. Wir arbeiten dort gemeinsam mit der Katholischen Universität von Peru und mit dem Pfarrer vor Ort.

"Konkrete Tat der Liebe, die aus dem Glauben kommt"

C.O.: Um das um einen Aspekt zu ergänzen: Ich war selber mal vor fünf Jahren mit zwei Priestern der Priestergemeinschaft in Lima und mit dem dortigen Pfarrer, Padre Atturo, unterwegs. Das ist schon sehr beeindruckend. Man stößt natürlich auf der einen Seite auf ein riesiges Elend, aber andererseits auf eine immense Freude, wenn man merkt, dass Menschen dankbar sind für das, was man ihnen bringt, aber gleichzeitig sie auch bereit sind, selbst mit aufzubauen – diese typische Hilfe zur Selbsthilfe. Und das gilt nicht nur im wirtschaftlichen Bereich, auch in Katechese und Mission.

Wir helfen, etwas aufzubauen, aber wir nutzen es mit dem Pfarrer vor Ort oder anderen Personen direkt wieder zur Katechese, zur Unterstützung im familiären Leben und so weiter. Das ist eigentlich die biblische Vision, wie wir sie auch in der Apostelgeschichte sehen, Verkündigung des Glaubens, aber auch die konkrete Tat der Liebe, die aus dem Glauben kommt. Vor allem sieht man an den jungen Menschen, dass das anzieht und begeistert. Diesen Elan und Enthusiasmus muss man erst mal suchen.

Abschließend: Bekommen Sie Unterstützung von der Erzdiözese München und Freising? Arbeiten Sie gut zusammen?

M.G.: Wir sind sehr dankbar, zumal das Haus, in dem wir hier leben, uns nicht gehört, sondern uns von der Erzdiözese und der Caritas zur Verfügung gestellt wird. Wir wirken mit an den verschiedenen Veranstaltungen, die das Erzbistum für die geistlichen Gemeinschaften organisiert. Wir sind dankbar, in diesem Erzbistum wirken zu können.

Gute Kooperation mit der Erzdiözese

C.O.: Ich glaube, dass es eine gute Kooperation ist, insofern ich das aus der Ferne mitbekomme. Hier werden Kräfte gebündelt. Gleichzeitig ist es auch gut, sagen zu können, dass man nicht von Kirchensteuern lebt, sondern das Säkularinstitut als solches eigenständig ist. Jeder, der mit Jugendlichen arbeitet, ist froh, wenn er natürlich auch finanzielle Unterstützung bekommt. Aber das heißt nicht, dass man von einem festen Betrag lebt, der jeden Monat überwiesen wird. Das wäre auch nicht gut, das würde die Eigenständigkeit eines solchen Instituts auf Dauer lähmen.

Gleichzeitig versucht auch das Institut, das, was man mitbringt, in das Leben der Diözese einzubringen. Die Cruzadas arbeiten auch in der Pfarrkatechese mit oder unterrichten an den kirchlichen Gymnasien. Da ist es selbstverständlich, dass man die Anliegen der Diözese mitbedenkt und mitträgt und gerade auch den geistlichen Aspekt mit unterstützt. Ich denke, das ist ein gutes Geben und Nehmen.

Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 02. August wie die Cruzadas de Santa Maria in Deutschland vielen Familien helfen, sich bewusst zu werden, dass sie getauft sind, um Gesandte in der Welt zu sein. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.