Großpfarreien: Menschengemäß oder nicht?

Für die „Tagespost“ stellte sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann einem Disput über die Reform der Pfarrseelsorge mit dem Münchner Pastoraltheologen Andreas Wollbold.

Fronleichnamsprozession in München
Messdiener tragen Kerzen bei der Prozession an Fronleichnam am 4. Juni 2015 in München. Ein Ministrant schwenkt ein Weihrauchfass. Foto: Sebastian Widmann (KNA)

Das Bistum Trier plant 35 Pfarreien der Zukunft. Bischof Stephan Ackermann wird sie Anfang 2020 formal einrichten. Das Modell ist allerdings umstritten. Für die „Tagespost“ stellte sich der Trierer Bischof für einen Disput mit dem Münchner Pastoraltheologen Andreas Wollbold zur Verfügung. Dieser favorisiert eine Alternative aus Mittelpunkts- und Einzelpfarreien.

Bischof Ackermann ist der Ansicht, dass man Pfarrei neu denken müsse, „in dem Sinne, dass Gemeinde an verschiedenen Orten innerhalb der Pfarrei gelebt werden kann“. Wenn manche befürchteten, in der Pfarrei der Zukunft ihre Heimat zu verlieren, so Ackermann, müsse man sich klarmachen, dass die allermeisten Katholiken heute schon keinen Anschluss mehr an ihre Pfarrei hätten. „Der Eindruck, die Pfarrei stünde den Menschen bisher nahe, nun aber drohe Entfremdung, stimmt nicht.“ Die meisten, vor allem junge Leute, könnten mit der Pfarrei in ihrer traditionellen Form nichts mehr anfangen, so der Trierer Bischof.

Der Theologe Wollbold hält dagegen, dass man Pfarrei und Gemeinde nicht als „zwei Paar Schule“ betrachten solle. Von Großpfarreien gehe das Signal aus: „Das ist nicht mehr menschengemäß, das sind keine wirklichen Gemeinden mehr.“ Mit der Großpfarrei, meint Wollbold, würden oft in Jahrhunderten gewachsene Gemeinden zur Knetmasse. Kaum etwas habe jedoch eine so organische Geschichte wie die Pfarrei. Der Pastoraltheologe betont, dass es keine einzige empirische Studie gebe, die verlässlich nahelege, dass die Pfarreien momentan nicht mehr lebensfähig seien. Vielmehr handele es sich um Eindrücke, die sich an bestimmten Standards ausrichteten. Pfarrei sei aber mehr. „Sie bedeutet: Kirche ist da, wenn wir sie brauchen. Und das ist immer noch vielen Menschen wichtig“, so Wollbold. Das belegten nicht zuletzt die heftigen Reaktionen auf die Reformen.

Den ausführlichen Disput lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 12. Juli.
DT