Gänswein: Keine geheimen Anti-Franziskus-Seilschaften im Vatikan

Der Präfekt des Päpstlichen Hauses weist in einem Interview mit dem Magazin "Stern" "medienwirksam gestrickte Klischees" zurück, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hätten.

Georg Gänswein und Papst Franziskus
Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, und Papst Franziskus während einer Generalaudienz am 30. März 2016 auf dem Petersplatz. Foto: Paul Haring (KNA)

Der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, hat Berichte über angebliche Seilschaften von Papstgegnern im Vatikan in einem Interview mit dem Magazin "Stern" (Donnerstag) als "medienwirksam gestrickte Klischees" zurückgewiesen. Die Frage, warum Franziskus so beliebt in der Welt sei und angeblich umstritten in der katholischen Kirche, hält er für einen konstruierten Gegensatz. "Gegenüber dieser lichtvollen Gestalt werden dunkle Geschichten erfunden und in Umlauf gebracht, wonach im Vatikan heimliche Papstgegner lauern und Seilschaften am Werk seien, die Franziskus böse wollen", sagte Gänswein. Dabei handle es sich um "medienwirksam gestrickte Klischees, die mit der Wirklichkeit herzlich wenig zu tun haben".

Erzbischof Gänswein ist als Privatsekretär für den emeritierten Papst Benedikt XVI. sowie als Präfekt des Päpstlichen Hauses für Papst Franziskus tätig und hat laut eigenem Bekunden ein gutes Verhältnis zu beiden. "Ich meine, dass wir ganz gut miteinander können, trotz aller Unterschiede in Charakter, Stil und Temperament", sagte Gänswein über Franziskus.

In dem Interview äußerte sich der Erzbischof auch zur in Deutschland entflammten Kreuzdebatte sowie zu Forderungen nach einem Frauenpriestertum und der Abschaffung des Zölibats. Den jüngsten Kreuz-Erlass der bayerischen Landesregierung begrüßte Gänswein. "Es bewahrt den Staat vor der Versuchung, sich totalitär des Menschen zu bemächtigen", sagte Gänswein. Zugleich übte er Kritik am Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx. Mit Blick auf dessen Äußerung, der Erlass sorge für Spaltung, Unruhe und Gegeneinander sprach Gänswein von einer "ersten wenig erleuchteten Wortmeldung". Marx hatte allerdings schon damals auch betont, dass er sich grundsätzlich über Kreuze im öffentlichen Raum freue.

Eine Abschaffung der verpflichtenden Ehelosigkeit von Priestern lehnt Gänswein ab. Diese Position vertrete er auch angesichts eines Mangels an Seelsorgern, betonte der Präfekt des Päpstlichen Hauses. "Auch wenn die Not groß ist, dürfen wir Wertvolles nicht über Bord werfen."

Das Gleiche gilt aus Gänsweins Sicht auch mit Blick auf Forderungen nach einem Frauenpriestertum. Er halte es da mit Papst Johannes Paul II., der vor Jahrzehnten bereits verfügt habe, dass Frauen in der katholischen Kirche niemals Priester werden können. "Die Kirche ist an den Willen und das Wort Christi gebunden. Sie sieht sich nicht befugt, in dieser zentralen Frage des Glaubens eine Änderung einzuführen."

DT/KAP