Gänswein: Benedikt XVI. äußert sich nicht zu Viganò-Vorwürfen

Der Privatsekretär des emeritierten Papstes dementiert Berichte, denen zufolge Benedikt die Vorwürfe des emeritierten Vatikan-Diplomaten Viganò bestätigt haben soll.

Gänswein: Benedikt äußert sich nicht zu Vorwürfen
Die Behauptung, der emeritierte Papst habe die Aussagen bestätigt, entbehre jeglicher Grundlage, so Erzbischof Gänswein. Foto: Claudio Peri (ANSA)

Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär von Benedikt XVI., hat die Behauptung zurückgewiesen, der emeritierte Papst habe die Vorwürfe des ehemaligen Vatikan-Diplomaten Carlo Viganò bestätigt. „Papst Benedikt hat sich zum ,Memorandum' von Erzbischof Viganò nicht geäußert und wird es auch nicht tun“, erklärte Gänswein gegenüber dieser Zeitung. Die Behauptung, der emeritierte Papst habe die Aussagen bestätigt, entbehre jeglicher Grundlage. „Fake news!“, so Gänswein.

New York Times behauptet, Benedikt habe Vorwürfe bestätigt

Der Erzbischof bezieht sich auf einen Bericht der New York Times, in dem ein Vorstandsmitglied des amerikanischen Nachrichtenkanals EWTN, Timothy Busch, zitiert wird. Die New York Times hatte Busch zu den Vorgängen interviewt. Dessen Darstellung nach habe der emeritierte Papst die im Viganòs Schreiben erhobenen Vorwürfe bestätigt.

Unterdessen meldet die italienische Zeitung La Stampa, dass Erzbischof Gänswein auch ihr gegenüber eine Bestätigung des Zeugnisses Viganòs durch Benedikt dementiert habe. Nach Darstellung von La Stampa hat Timothy Busch im Gespräch mit der New York Times eine entsprechende Behauptung aufgestellt.

Anders als in den Agenturen und Presseberichten dargestellt, schildert Martin Rothweiler den Sachverhalt. Der Programmdirektor von EWTN Deutschland teilte unserer Zeitung mit, Timothy Busch sei von der New York Times falsch zitiert worden. Insoweit betreffe der „fake news“-Vorwurf Gänsweins nicht EWTN, sondern die New York Times. Busch selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, wie die Washington Post meldet.

Erzbischof Viganò behauptet, sowohl Papst Franziskus wie auch weitere hochrangige Vatikan-Vertreter hätten bereits seit 2013 von den Missbrauchsvorwürfen gegen den ehemaligen US-Kardinal Theodore McCarrick gewusst. Auch ein ehemaliger Nuntiatur-Berater bestätigte die Vorwürfe.

Den Anschuldigungen Viganòs zufolge soll Benedikt McCarrick mit Sanktionen belegt haben, nachdem ihm von dessen sexuellen Fehlverhalten berichtet worden war.  Diese hätte Papst Franziskus jedoch wieder aufgehoben. Zudem ernannte er McCarrick zu seinem „persönlichen Berater“. Bisher wollte sich Franziskus zu den Vorwürfen nicht äußern.

DT/mlu/jbj

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