Familie von Asia Bibi bedroht

Auch die Familie der verfolgten pakistanischen Christin ist im Visier von Radikalen. „Die Islamisten sind hinter uns her“, berichtet ein Freund der Familie Asia Bibis gegenüber „Kirche in Not“.

Familie von Asia Bibi in Gefahr
Joseph Nadeem (rechts) mit Eisham Ashiq und Ashiq Masih, Tochter und Ehemann von Asia Bibi. Ihre Zukunft will die Familie in Italien verbringen, wie Nadeem berichet Foto: Kirche in Not

Nachdem die vom Urteil der Blasphemie freigesprochene pakistanische Christin Asia Bibi aus der Haft entlassen wurde, droht ihr und ihre Familie weiter Verfolgung. Jüngst sollen Unbekannte das Haus beschossen haben, in dem sich Bibis Töchter aufhalten. Dies berichtet das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“. „Wir erhalten ständig Drohungen, und mehr als einmal bin ich verfolgt worden“, berichtet ein Freund der Familie, Jospeh Nadeem, gegenüber dem Hilfswerk.

Viermal in einem Monat war Asia Bibis Familie zum Umzug gezwungen

„Kirche in Not“ zufolge kümmert sich Nadeem seit der Verurteilung Asia Bibis um deren Familie. Ihren Mann Ashiq und eine der Töchter hat er mehrfach bei Auslandsreisen begleitet. Momentan wohnen Nadeem und seine Familie mit zwei Töchtern Bibis zusammen. Sobald die pakistanische Christin freigesprochen war, haben sie fliehen müssen, so Nadeem. Dabei sei die Familie der fünffachen Mutter getrennt worden. „Asia und ihr Mann befinden sich an einem sicheren Ort und werden bewacht. Doch wir können sie nicht besuchen“, so der Familienfreund. Vier Mal innerhalb eines Monats seien Nadeems Familie und die Töchter Asia Bibis gezwungen gewesen, den Aufenthaltsort zu wechseln.

„Die Islamisten sind hinter uns her und jedes Mal, wenn wir merken, dass wir in Gefahr sind, fliehen wir sofort“, so Nadeem. „Wir können nicht einmal nach draußen, um Lebensmittel einzukaufen. Ich verlasse das Haus nur bei Nacht und verhülle dabei mein Gesicht.“ Asia Bibi wisse um die schwierige Situation ihrer Angehörigen, erklärt Nadeem. „Ich habe sie kurz nach ihrer Freilassung getroffen und wir telefonieren täglich mit ihr. Sie ist sehr in Sorge um ihre Töchter.“

Familienfreund: "Die internationale Solidarität stärkt uns"

Aufgrund des Vorwurfs der Blasphemie war die Katholikin Asia Bibi neun Jahre lang in Pakistan inhaftiert gewesen. Anfang November sprach der Oberste Gerichtshof Pakistans die Mutter von fünf Kindern zunächst frei. Daraufhin war es in zahlreichen Städten Pakistans zu heftigen Protesten radikaler Islamisten gekommen. Die pakistanische Regierung beugte sich dem Druck und einigte sich mit der islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) darauf, einen Berufungsprozess gegen Bibi zuzulassen. Kurz darauf wurde die 47-Jährige dann aber doch aus der Haft entlassen.

Asia Bibi und ihre Familie hätten laut Nadeem die internationale Berichterstattung und das große Interesse an ihrem Schicksal aufmerksam verfolgt. „Die internationale Solidarität stärkt uns. Asia ist allen dankbar, die ihre Stimme erheben, um die aktuelle Situation anzuprangern.“ Ihre Zukunft will die Familie offensichtlich in Italien verbringen, wie Nadeem berichet: „Wir warten darauf, schnell Pakistan verlassen und an einem sicheren Ort leben zu können. ,Kirche in Not? war die erste Institution, die uns Gastfreundschaft angeboten hat. Und wir hoffen, dass unsere Familien dieses Weihnachtsfest in Rom verbringen können, zusammen mit Euch.“ Auch Deutschland wäre wohl zu einer Aufnahme der verfolgten Christin bereit, während Großbritannien zuvor bereits erklärt hatte, Asia Bibi kein Asyl gewähren zu wollen.

DT/mlu

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