Erzbischof Heße fordert mehr Laien-Verantwortung

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße will Machtstrukturen in der katholischen Kirche aufbrechen.

Will Machtstrukturen in der Kirche aufbrechen: Erzbischof Stefan Heße.
Will Machtstrukturen in der Kirche aufbrechen: Hamburgs Erzbischof Heße. Foto: Markus Scholz (dpa)

"Es braucht Macht zur Ausübung von Leitung, aber sie muss kontrolliert und geteilt werden", sagte Erzbischof Stefan Heße am Freitag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er würdigte den Vorstoß des Münchener Erzbischofs Reinhard Marx, der künftig einen Laien als Verwaltungsleiter seiner Diözese einsetzen will. Auch er setze auf "weitergehende Beteiligung", betonte Heße.

Bevorstehender Missbrauchsgipfel "wichtiger Impuls"

Mit dem bevorstehenden Missbrauchsgipfel im Vatikan gibt Papst Franziskus laut Heße einen "wichtigen Impuls". Seiner Ansicht nach hat die deutsche Kirche bei Aufarbeitung und Prävention bereits hohe Standards entwickelt. "Andere Regionen haben da noch Nachholbedarf."

Der frühere Personalchef und Generalvikar des Erzbistums Köln sprach sich dafür aus, konkretes Versagen früherer oder heutiger Amtsträger zu benennen. "Dort, wo die Verantwortlichkeiten klar sind, müssen wir dazu stehen." Im Rahmen der im Erzbistum Köln geplanten Aufarbeitung werde auch sein dortiges Wirken untersucht. "Damals haben wir im Kreis der Verantwortlichen versucht, alle Probleme gut zu bewältigen. Ob unser Handeln nach heutigen Maßstäben das beste war, wird sich zeigen."

Schulschließungen: Zwei der betroffenen Schulen sind noch zu retten

Die Entscheidung, bis zu 8 der 21 katholischen in Hamburg zu schließen, würde der Erzbischof trotz großer Proteste noch einmal treffen, sagte er unter Verweis auf die prekäre Haushaltslage seiner Diözese. "Aber ich würde sie im Vorfeld intensiver mit den Betroffenen besprechen und bei der Verkündung möglichst persönlich an den betroffenen Standorten sein." Das Nordbistum arbeite weiter daran, zwei der betroffenen Schulen noch zu retten: "Ich hoffe, dass wir es mit externer Hilfe schaffen und setze große Hoffnungen auf die Gespräche, die wir derzeit führen."

Finanzausgleich zwischen armen und reichen Diözesen gefordert

Heße bekräftigte seine Forderung nach einem bundesweiten Finanzausgleich zwischen armen und reichen Diözesen. Das Thema sei in der Bischofskonferenz gesetzt, "von der Umsetzung sind wir aber noch weit entfernt." Zunächst müsste eine Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Bistumshaushalten hergestellt werden.

Der Flüchtlingsbischof hob seinen Einsatz für ein gemeinsames Europa auf Grundlage des christlichen Menschenbilds hervor. Für Asylbewerber forderte er klare Verfahrenswege. Falls jemand nicht in einem Land bleiben könne, brauche es auch eine gut geregelte Rückführung.

KNA / DT (jobo)

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