Madrid

Erstes Laienmitglied des Opus Dei wird seliggesprochen

Rund 15.000 Pilger aus 62 Ländern werden zur Seligsprechung der Chemikerin Guadalupe Ortiz de Landázuri (1916-1975) in Madrid erwartet. Die neue Selige ist ein Vorbild dafür, dass Heiligkeit für jeden Getauften im Alltag möglich ist. Von Lucia Czernin

Guadalupe Ortiz wird seliggesprochen
"Ihre tiefe Nähe zu Gott und das Wissen, ein von Gott geliebtes Kind zu sein, schenkte ihr eine große Gelassenheit." So charakterisiert der Prälat des Opus Dei, Fernando Ocáriz, Guadalupe Ortiz (re.). Foto: Opus Dei

Die Spanierin Guadalupe Ortiz de Landázuri (1916-1975) wird am 18. Mai in ihrer Geburtsstadt Madrid seliggesprochen. Die Chemikerin ist das erste Laienmitglied des Opus Dei, das zur „Ehre der Altäre“ erhoben wird.

Den Feierlichkeiten steht im Auftrag von Papst Franziskus Kardinal Giovanni Angelo Becciu, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, vor. Sieben Kardinäle und 27 Bischöfe werden bei der Seligsprechungsmesse, die in der Multifunktionshalle Vista Alegre stattfindet, konzelebrieren, unter ihnen der Nuntius von Spanien, Erzbischof Renzo Fratini sowie der Prälat des Opus Dei, Fernando Ocáriz.

"Fröhliche, mutige, entschlossene und warmherzige Person"

Fernando Ocáriz schildert die neue Selige in einem Interview mit der spanischen Zeitung ABC als eine „fröhliche, mutige, entschlossene, unternehmungslustige und warmherzige Person“. Ihre tiefe Nähe zu Gott und das Wissen, ein von Gott geliebtes Kind zu sein, schenkte ihr eine große Gelassenheit – auch in schwierigen Momenten ihres Lebens. Dank ihres tiefen Gebetslebens war sie ein Vorbild, wie sich ein „intensives Berufsleben“, der „Umgang mit Gott“ und ein „großzügiger Dienst an anderen“ miteinander vereinbaren lässt, so der Prälat des Opus Dei. Sie lernte das Opus Dei im Jahr 1944 kennen, dem sie sich als eine der ersten Frauen als 27-Jährige anschloss.

An der Madrider Universität Complutense wurde die am 12. Dezember 1916 in Madrid geborene Guadalupe Ortiz de Landázuri kürzlich in einer Hommage gewürdigt. Als „Lupe“ im Jahr 1933 für ihr Chemiestudium inskribierte, gab es in ihrem Jahrgang überhaupt nur fünf Frauen. Ihr beruflicher Pioniergeist als Frau brachte ihr Auszeichnungen im Bereich der Chemie ein. Ocáriz: „Doch ihre Arbeit war für sie nicht nur ein Ort der beruflichen Erfüllung, sondern vor allem ein Raum, um Gott zu begegnen, für andere Menschen da zu sein, zu dienen.“ Ihre berufliche Karriere vereinbarte sie großzügig mit verschiedenen Aufgaben, die ihr der Gründer des Opus Dei, der heilige Josefmaria Escrivá, anvertraute. Sie übersiedelte nach Mexiko, um beim Aufbau des Opus Dei mitzuhelfen und arbeitete später auch direkt mit Escrivá in Rom zusammen.

Guadalupes Vater stellte sich freiwillig der Exekution

Ein besonders schmerzhaftes Ereignis während des spanischen Bürgerkriegs (1936 – 1939) prägte Guadalupes Leben. Ihr Vater war Offizier der spanischen Armee. Samt seinem Bataillon wurde er in den Bürgerkriegswirren von Republikanern festgenommen und zum Tode verurteilt. Guadalupes Bruder Eduardo konnte zwar eine Begnadigung für ihn erreichen, allerdings betraf diese seinen Vater allein. Die Soldaten, die General Ortiz de Landázuri unterstanden, waren nicht in die Begnadigung inkludiert. Aus Loyalität gegenüber seinen Untergebenen wollte Guadalupes Vater seine Freilassung nicht annehmen und stellte sich freiwillig der Exekution. Die letzten Stunden vor seiner Erschießung waren seine Frau, die damals 20-jährige Guadalupe und ihr Bruder Eduardo bei ihm und beteten gemeinsam.

Hass oder Bitterkeit hatten in ihrem Herzen keinen Platz. Als Guadalupe 1950 auf Bitte des heiligen Josefmaria die apostolische Arbeit des Opus Dei Mexiko begann, meldete sich eine Exil-Spanierin bei ihr, die sie kennenlernen wollte. Als sie den Namen erfährt, war sie zunächst wie gelähmt. Ernestina de Champourcinwar war Dichterin und die Frau eines der Verantwortlichen für den Tod ihres Vaters. Guadalupe ging in sich: Auch diese Frau ist eine Tochter Gottes! Sie zögerte keinen Moment mehr und empfing die Dichterin sehr freundlich – der Beginn einer tiefen Freundschaft, in der die Vergebung jegliche Schranken überwand.

Förderung der Frau als Schlüssel für die gesellschaftliche Entwicklung

Die künftige Selige sah in der Förderung der Frau den Schlüssel für die gesellschaftliche Entwicklung. In ihrer Zeit in Mexiko (1950-1956) galt Guadalupes Sorge der Bildung von Frauen und Mädchen aller sozialen Schichten, insbesondere aber der Frauen in ländlichen Gegenden. So rief sie nachhaltige Bildungsinitiativen ins Leben, um Frauen aus der Armut zu führen, wie etwa die 1952 von ihr mitbegründete Landwirtschaftsschule Montefalco im mexikanischen Bundesstaat Morelos, an der bis heute Tausende Frauen eine Berufsausbildung erhalten haben.

Als der Gründer sie dann 1956 darum bat, nach Rom zu kommen, um dort in der Leitung des Opus Dei zu wirken, widmete sie sich mit viel Optimismus ihrer neuen Aufgabe. Wenig später erkrankte sie an einer schweren Herzinsuffizienz.  Sie musste ihre Aktivitäten einschränken und zog nach Madrid zurück, wo sie sich nach und nach wieder der Forschung und dem Unterricht widmen konnte. 1964 schloss sie ihre Dissertation über die chemischen Eigenschaften von Reishülsen ab, für die sie den Forschungspreis Juan de la Cierva erhielt.

Eine "in Gott verliebte, tief gläubige Frau"

Der Postulator des Seligsprechungsprozesses, Antonio Rodríguez de Rivera, charakterisierte Guadalupe als eine „in Gott verliebte, tief gläubige Frau, die mit ihrer Arbeit und ihrem Optimismus anderen in ihren spirituellen und materiellen Bedürfnissen zur Seite stand.“ Gezeichnet von ihrer schweren Herzerkrankung, die sie gelassen trug, starb Guadalupe Ortiz de Landázuri am 16. Juli 1975 im Ruf der Heiligkeit.
Papst Franziskus bestätigte in einem Dekret vom 4. Mai 2017 ihren heroischen Tugendgrad. Im Juni 2018 wurde das für die Seligsprechung erforderliche Wunder anerkannt: Es handelte sich um eine medizinisch nicht erklärbare Spontanheilung eines bösartigen Hauttumors neben dem rechten Auge bei einem 76-jährigen Mann, der sich der Fürsprache Guadalupes anvertraut hatte.

Nach dem heiliggesprochenen Gründer des Opus Dei, Josefmaria Escrivá (1902-1975), und dessen erstem Nachfolger, den seligen Bischof Alvaro del Portillo (1914-1994), ist Guadalupe Ortiz de Landázuri nun die erste Frau und die erste Laiin dieser Institution, die seliggesprochen wird.

DT

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