Eichstätt: Kirchenrechtler fordert Rücktritt von Bischof Hanke

Die einzig denkbare Antwort Hankes auf den Prüfbericht zum Finanzskandal sei dessen Rücktritt, so der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Der Bischof müsse die politische Verantwortung übernehmen.

Prüfbericht zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt
„Hanke war sorglos und hat den größten Finanzskandal der katholischen Kirche in den vergangenen 100 Jahren zu verantworten“, so der Kirchenrechtler Schüller. Foto: Armin Weigel (dpa)

Nachdem das Bistum Eichstätt jüngst einen umfassenden Bericht zum Finanzskandal vorgelegt hat, fordert der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller Bischof Gregor Maria Hanke zum Rücktritt auf. „Die einzig denkbare Antwort Hankes für mich auf den Prüfbericht wäre sein Rücktritt“, erklärte Schüller gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit

Vor einem Jahr hatte das Bistum publik gemacht, dass der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor und einer seiner Geschäftspartner mit riskanten Immobiliengeschäften in den USA etwa 60 Millionen aufs Spiel gesetzt hatten, von denen wohl ein Großteil verloren ist. Nach Anzeige von Bischof Hanke ermittelt die Staatsanwaltschaft München II seit 2017 wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit.

Diese Bemühungen des Eichstätter Bischofs lobte der Kirchenrechtler Schüller in der „Augsburger Allgemeinen“ - äußerte jedoch gleichzeitig die Forderungen nach Konsequenzen für den Bischof. Hanke müsse die politische Verantwortung für den Finanzskandal übernehmen.

Hanke sei sorglos gewesen und habe so den Finanzskandal ermöglicht

Bis zum Aufkommen des Skandals habe der 64-Jährige Bischof die Dinge laufen lassen, so Schüller, ohne für Kontrollmechanismen in der Finanzverwaltung zu sorgen. „Hanke war sorglos und hat den größten Finanzskandal der katholischen Kirche in den vergangenen 100 Jahren zu verantworten“, so der Kirchenrechtler. Zum Aufklärer hätte er sich erst entwickelt, nachdem er festgestellt habe, selbst zum Opfer geworden zu sein.

Schüller zog zudem Parallelen zwischen dem Finanzskandal und der Missbrauchskrise. Beides folge demselben Muster: „Kleriker werden von niemandem kontrolliert und vertuschen, wenn etwas publik wird.“ Bis sich diese Kultur ändere, werde es noch lange dauern, so seine Einschätzung.

Prüfbericht: Hanke hätte früher und energischer handeln können

Gestern veröffentlichte das Bistum Eichstätt den 148 Seiten umfassenden Prüfbericht externer Anwälte zum Finanzskandal. Darin werden der ehemalige Finanzdirektor sowie frühere Domkapitulare als weitere Hauptverantwortliche benannt. Dem Bericht nach hätten die Reformen des Bischofs die Misswirtschaft zwar erst zutage gefördert. Hanke hätte jedoch früher und energischer gegen die Missstände vorgehen können.

DT/mlu

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