Brexit: Kirche von England ruft zu fünf Gebetstagen auf

Der Brexit werde die Ärmsten der britischen Gesellschaft am stärksten treffen, so der Primas der Anglikanischen Kirche, Justin Welby. Die Kirche müsse die Rolle des Friedensstifters einnehmen.

Justin Welby warnt vor Brexit-Folgen
„Wir können die ausgesprochenen Warnungen nicht ignorieren, dass die nächsten Monate möglicherweise schwerwiegende Folgen für die Ärmsten unserer Gesellschaft haben werden", so der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby. Foto: Andy Rain (EPA FILE)

Angesichts eines immer wahrscheinlicher werdenden ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat die Kirche von England zu fünf Gebetstagen für die Ärmsten des Landes aufgerufen. Diese trügen die größten Risiken der wirtschaftlichen Unsicherheit, die der Brexit mit sich bringe, erklärte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, am Wochenende. Die Gebete sollen Versöhnung sowie die Bedürfnisse der Schwächsten thematisieren.

Kommenden Monate mit schwerwiegenden Folgen für die Schwächsten der Gesellschaft

Vor der Generalsynode der Kirche von England erklärte Erzbischof Welby laut dem britischen „Guardian“: „Wir können die ausgesprochenen Warnungen nicht ignorieren, dass die nächsten Monate möglicherweise schwerwiegende Folgen für die Ärmsten unserer Gesellschaft haben werden.“ Daher müsse man sich auf Schwierigkeiten und Unsicherheiten aller Art gefasst machen und dürfe nicht zulassen, dass „zerstörerische Kräfte“ die britische Gesellschaft weiter spalten würden. Welby gilt als strikter Gegner eines EU-Austritts seines Landes und hatte bereits vor einigen Wochen vor den potenziellen Nachteilen, gerade für die Bedürftigen der Gesellschaft, gewarnt.

Wann immer Risiken bestünden, müssten diese von den Stärksten, nicht von den Schwächsten, getragen werden, so der Primas der Anglikanischen Kirche weiter. Dies sei jedoch nicht der Weg, den das Land momentan eingeschlagen habe. Wenn man dem „Schmerz und der Ausgrenzung“ einiger Gesellschaftsschichten keiner Aufmerksamkeit schenke, würden die Spaltung und die Konflikte im Land noch größer werden.

Welby kündigt öffentliches Gebet für Tag nach EU-Austritt an

Die Anglikanische Kirche, so Welby, müsse die Rolle des Friedensstifters einnehmen, „um unseren Teil dazu beizutragen, das Land zu einen und die Schwächsten ins Zentrum des nationalen Lebens zu stellen“. Die größte Herausforderung sieht der Erzbischof von Canterbury darin, die tiefen Gräben im Land zu überwinden, zu einer gesunden und funktionierenden Demokratie zu finden und ein starkes Wirtschaftssystem zu etablieren, das auf ethischen und moralischen Prinzipien beruhe.

Am 29. März soll Großbritannien aus der EU austreten. Erzbischof Welby kündigte für den Folgetag ein öffentliches Gebet mit den leitenden Geistlichen der Katholiken, Methodisten, Baptisten und Reformierten an. „Das Leben wird weitergehen, und Gottes Mission wird nicht durch solche Ereignisse gestoppt“, ermutigte Welby.

DT/mlu

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