Passau

Bischof Oster: Zölibat „kein Dogma“

Es könnte sich abzeichnen, dass Rom bei der Diskussion um den Zölibat offener werde, meint der Passauer Bischof. Persönlich sieht er den Zölibat als „großen geistlichen Schatz, um den es sich zu kämpfen lohnt“.

Bischof Oster zum Zölibat
Der Blick auf die Ostkirchen zeige: „Wenn wir sagen, das stellen wir frei, dann wird es darauf hinauslaufen, dass der verheiratete Priester stark dominieren wird", so Bischof Oster. Foto: Matthias Balk (dpa)

In der Diskussion um den Zölibat für Priester sieht der Passauer Bischof Stefan Oster Möglichkeiten für Änderungen. Zwar könne der deutsche Katholizismus nicht für sich alleine beschließen, dass es in Zukunft auch verheiratete Priester geben werde. Doch die Frage sei kein Dogma, so Oster im Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“. Es könnte sich abzeichnen, dass Rom bei dem Thema offener werde. „Anders als bei der Sexualmoral ist da mehr Spielraum drin, und der Papst hat schon ermutigt, hier nach neuen Wegen zu fragen.“

Oster: In der Fläche würde zölibatäre Lebensform verschwinden

  

Bischof Stefan Oster hält die Weihe verheirateter Männer zu Priestern für denkbar.
Bischof Stefan Oster hält die Weihe verheirateter Männer zu Priestern für denkbar. Foto: Louis Marie Melchis (KNA)

  

Auf die Frage, ob er sich auch ein Nebeneinander von zölibatär und nicht-zölibatär lebenden Priestern vorstellen könnte, weist Oster auf die Ostkirchen hin. Diese zeigten: „Wenn wir sagen, das stellen wir frei, dann wird es darauf hinauslaufen, dass der verheiratete Priester stark dominieren wird.“ Der zölibatär lebende werde dann entweder als „komischer Sonderling“ wahrgenommen oder ins Kloster gehen. „Das heißt, in der Fläche wird die zölibatäre Lebensform dann wohl verschwinden.“

Grundsätzlich ist der Jugendbischof dennoch nicht der Meinung, dass der Zölibat demnächst aufgeweicht werden sollte. „Der Zölibat ist die Lebensform Jesu und daher ein großer geistlicher Schatz, um den es sich zu kämpfen lohnt.“ Wenn die allermeisten Priester jedoch sagen würden: „Das ist in dieser Zeit und Gesellschaft nicht mehr lebbar, dann wird’s schwierig“, gab Oster zu bedenken.

Oster offen für sogenannte "viri probati"

Ein Priester, der mit seiner Lebensform kämpfe, aber die Treue versprochen hat, solle in Osters Aussagen aber nicht lesen: „Der Bischof sagt es auch, dass es schwer wird, also lass ich es jetzt auch.“ Er wolle nicht demotivieren, Oster, sondern die Botschaft vermitteln: „Der Kampf lohnt sich.“

Bischof Oster wies auch auf die anstehende Amazonas-Synode hin, bei der auch die Frage diskutiert werde, ob es sogenannte „viri probati“ geben könne: „Männer, die seit vielen Jahren ihre Gemeinde in dieser Region leiten, und einmal im Jahr kommt der Pfarrer hingeflogen und feiert mit denen die Messe.“ De facto gebe es also Gemeindeleiter. Oster könnte sich vorstellen, jemanden, der dies schon seit Jahren mache, zum Priester zu weihen.

 

Kein Handlungsspielraum der deutschen Bischöfe bei Sexualmoral

Beim Thema „Sexualmoral“ der katholischen Kirche sieht der Passauer Bischof keinen Handlungsspielraum der deutschen Bischöfe. Er denke, „dass da die lehramtliche Situation so ist, dass wir von uns aus nicht einfach Veränderungen beschließen können, zumal es ja um die Weltkirche geht“. Papst Johannes Paul II. habe mit der „Theologie des Leibes“ zudem etwas vorgelegt, was auch auf dem Stand der Humanwissenschaften von heute sei.

Ein Verstehen dessen setze aber zusätzlich den Glauben und die Erfahrung voraus, dass die Begegnung mit Christus auch die Liebensfähigkeit vertiefen und verändern und so befähigen könne, in jenem Entwurf von Sexualität auch gelingend zu leben. „Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, dann schaut das, was die Kirche über Sexualmoral lehrt, von außen aus wie ein Korsett von Verboten, an denen man sich nur abkämpft.“

DT/mlu

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