Bischof Hanke: Aufbruch der Kirche braucht vertiefte Jüngerschaft

Es brauche Jünger und Zeugen Jesu, damit dessen Botschaft heute einen Resonanzraum finde, so der Eichstätter Bischof. Wer für Christus brenne, könne andere entflammen.

Bischof Hanke zu Reformforderungen innerhalb der Kirche
Die Vielfalt religiöser Angebote auf dem Markt der Möglichkeiten bringt nicht zwangsläufig Christinnen und Christen hervor, meint der Eichstätter Bischof Hanke. Foto: Armin Weigel (dpa)

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat sich zur aktuellen Debatte um Reformen innerhalb der katholischen Kirche geäußert. Forderungskataloge, die auf eine Mehrung der äußeren Attraktivität der Kirche zielen, sollten sich „dem Prozess der Unterscheidung der Geister stellen, einer Haltung, die an Person und Botschaft des Herrn Maß nehme.“ So äußerte sich Hanke jüngst in seiner Predigt am Hochfest des heiligen Willibald im Eichstätter Dom.

Ausdünnen der Pfarrgemeinden rührt nicht nur von Austritten her

Andere forderten, dass sich die Kirche der demokratischen Gesellschaft anpassen müsse und nicht so sakral aufgestellt bleiben dürfe, erinnerte Hanke. Auch die Bedeutung des Weiheamtes wollten manche reduzieren und die Macht in der Kirche anders verteilen. Bezogen auf diese Forderungen stellte Hanke die Frage in den Raum: „Könnte nicht auch das Verlangen nach Veränderung und Wandel der kirchlichen Strukturen vom stillen Wunsch unterfangen sein, das gesellschaftliche Ansehen der Kirche und damit ihre Macht und die Möglichkeiten ihrer öffentlichen Einflussnahme zu sichern?“

Bischof Hanke äußerte sich auch zur derzeitigen Situation in deutschen Pfarreien: Das Ausdünnen der Pfarrgemeinden rühre nicht allein von Kirchenaustritten und Demografie her, so der Bischof, sondern auch vom Fernbleiben der Getauften und Gefirmten. Deshalb beschäftige viele Gläubigen die Frage: „Wie kann unsere Kirche wieder attraktiver werden?“ An dieser Stelle halte er den Ruf nach einer dem Menschen nahen Seelsorge zwar für richtig, so Hanke. „Aber die Vielfalt religiöser Angebote auf dem Markt der Möglichkeiten bringt nicht zwangsläufig Christinnen und Christen hervor.“

"Die Vielfalt religiöser Angebote auf dem
Markt der Möglichkeiten bringt nicht
zwangsläufig Christinnen und Christen hervor"
Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke

Mit seinem öffentlichen Wirken habe Jesus viele Menschen erreichen wollen, aber nicht geleitet unter dem Vorzeichen von Attraktivität und öffentlicher Zustimmung. „Jesus war davon geleitet, seiner Sendung treu zu bleiben, die Menschen mit Gott in Beziehung zu bringen“, betonte Hanke. „Es braucht Jünger und Zeugen Jesu, damit Person und Botschaft Jesu heute einen Resonanzraum finden.“ Daher müsse ein Aufbruch der Kirche die Vertiefung der Jüngerschaft bedeuten. „Ohne gelebte Jüngerschaft fehlt es der Kirche an der Zeugniskraft“: Wer aber für Christus brenne, so Hanke, könne andere entflammen.

DT/mlu

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