Bestseller-Autor Lütz würdigt Spaemann

Er kenne keinen Menschen, der sich so rückhaltlos und tapfer für die Wahrheit eingesetzt habe, wie der jüngst verstorbene Philosoph Robert Spaemann, meint der Theologe Manfred Lütz.

Manfred Lütz würdigt Robert Spaemann
„Robert Spaemann war ein bis zuletzt geistig überwacher frommer Katholik, dessen philosophisches Denken von einer intelligenten Naturrechtsposition ausging und am Ende in Gott zur Ruhe kam. Foto: Marijan Murat (dpa)

Der Kölner Theologe und Bestseller-Autor Manfred Lütz würdigt den jüngst verstorbenen Philosophen Robert Spaemann. Er kenne keinen Menschen, der sich „so rückhaltlos und tapfer“ für die Wahrheit eingesetzt habe, die er erkannt hatte. „Ob das seinem Ruf guttat oder schadete, war ihm völlig gleichgültig“, schreibt Lütz in einer Würdigung Spaemanns für die „Tagespost“.

Lütz: "Für ihn zählte das Argument, denn es ging um die Wahrheit"

Einmal, erzählte ihm der Philosoph am Telefon, habe er Spaemann in Verlegenheit gebracht, so Lütz. „Als ich mich sofort entschuldigte, erklärte er mir, nein, es sei nichts Schlimmes, mein Schreiben hätte nur bewirkt, dass er wohl seine Meinung ändern müsse.“ Damals sei es um ein Interview gegangen, in dem Spaemann behauptet hatte, das Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus stelle einen Bruch der Lehrtradition dar. „Ich hatte vor allem eingewandt, die These, eine interpretierbare Anmerkung in einem als ,Vorschlag' gekennzeichneten niedrigrangigen Schreiben könne einen Bruch der Lehrtradition darstellen, überzeuge mich nicht“, erklärt Lütz.

Tatsächlich habe Spaemann seine Auffassung in einem Text für diese Zeitung später korrigiert. „So etwas habe ich kaum je bei großen Denkern erlebt und doch war es für Robert Spaemann typisch.“ Für ihn zählte das Argument, so der Buchautor und Psychiater, „denn es ging um die Wahrheit“.

Weder "Linkskatholik" noch "Rechtskatholik"

In den 50er Jahren habe Spaemann als „Linkskatholik“ gegolten, da er ein Gegner der Atombewaffnung und ein Freund des Schriftstellers Heinrich Böll war. Am Ende sei er als Freund der tridentinischen Messe und Kämpfer gegen die neuen Rede- und Schreibverbote als „Rechtskatholik“ bezeichnet worden. „Beides war er nicht“, so Lütz. „Robert Spaemann war ein bis zuletzt geistig überwacher frommer Katholik, dessen philosophisches Denken von einer intelligenten Naturrechtsposition ausging und am Ende in Gott zur Ruhe kam. Nun leuchtet ihm das Ewige Licht, Gott lasse ihn ruhen in Frieden.“

Der Philosoph Robert Spaemann war am Montag Nachmittag im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart verstorben. Wie sein Sohn Christian dieser Zeitung mitteilte, sei er „nach langem Leiden an Altersschwäche friedlich heimgegangen“.

DT/mlu

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