"Aus Verantwortung vor der Ewigkeit"

Eine Ausstellung in Berlin widmet sich dem Leben und Glaubenszeugnis Bernhard Lichtenbergs. Von Josef Bordat

Stefan Samerski
Stefan Samerski bei seinem Vortrag im Rahmen der Ausstellungseröffnung. Foto: JoBo.

Der Schriftzug ist auffällig: „Lichtenberg“. In Form einer Leuchtreklame strahlt dem Ausstellungsbesucher der Name des Märtyrers von Plakaten und Faltzetteln entgegen. Das Spiel mit dem „Licht“ ist gelungen. Es ist nicht nur auf den Effekt bedacht, sondern bringt zum Ausdruck, was der Selige Bernhard Lichtenberg war: Helles Licht in dunkler Zeit.

Für die Ausstellung im Festsaal des Rathauses Charlottenburg-Wilmersdorf zu seinem Leben und seinem Glaubenszeugnis gibt es einen doppelten Anlass: Vor 75 Jahren (am 5. November 1943) starb Bernhard Lichtenberg in Hof, auf dem Weg ins KZ Dachau. Und: Vor 80 Jahren (am 9. November 1938) gingen während der „Reichskristallnacht“ Synagogen und Jüdische Geschäfte in Flammen auf, die Verfolgung der Juden in Deutschland hatte eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Bernhard Lichtenberg war einer der wenigen, die gegen das NS-Regime Einspruch erhoben

Bernhard Lichtenberg, damals Dompropst an Sankt Hedwig in Berlin, war einer der wenigen, die dagegen Einspruch erhoben. Er protestierte zudem gegen die „Euthanasie“-Morde und betete öffentlich für die verfolgten Juden. Lichtenberg wirkte bis zu seiner Verhaftung im Oktober 1941 als Leiter des Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin, mit dem die Katholische Kirche Verfolgten des Naziregimes die Flucht aus Deutschland ermöglichte und Berliner Juden, die sich im Untergrund versteckten, mit Wohnraum und Lebensmitteln versorgte.

Zu sehen sind zehn Informationstafeln mit 39 Abbildungen und erläuternden Texten, die den Lebensweg und die außergewöhnlichen Taten Lichtenbergs betrachten, die er „aus Verantwortung vor der Ewigkeit“ verwirklichte. In seinem Vortrag bei der Ausstellungseröffnung hob Pfarrer Professor Stefan Samerski die Bedeutung des katholischen Geistlichen und Zentrumspolitikers Lichtenberg hervor. Mit seinem Einsatz für die Kirche ist er ein Vorbild auch für heute. Sein Engagement ging vom Kampf für den Religionsunterricht und die Sonntagsruhe bis hin zu offener Kritik am NS-Regime. Ein Mann des Wortes und der Tat, integer, furchtlos, allein dem christlichen Gewissen verpflichtet.

Als junger Pfarrer ging Bernhard Lichtenberg oft deutschlandweit auf Spendentour

Was sich anhört wie eine klischeehafte Heroisierung hat bei Lichtenberg seine volle Berechtigung. Er war unbeugsam katholisch und daher immun gegen den Totalitarismus von links und rechts, der sich in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren immer deutlicher als „Lösung“ gesellschaftlicher Probleme anbot. Hinzu kommt sein ungetrübter Sinn für Humor und der Glaube an die Wirksamkeit ungewöhnlicher Aktionen. Als junger Pfarrer ging er oft deutschlandweit auf Spendentour für die Kirche in der Berliner Diaspora. Dabei wurde er sogar einmal verhaftet, in Bayern: Im Freistaat war das Betteln für Preußen verboten. Er sammelte dabei soviel Geld, dass es bis heute zahlreiche Einrichtungen der Berliner Kirche gibt, die ihre Wurzeln bei Bernhard Lichtenberg haben.

Papst Johannes Paul II. hat Bernhard Lichtenberg 1996 bei seinem Berlin-Besuch selig gesprochen; ein Heiligsprechungsverfahren ist angestrebt. Die Gedenkstätte Yad Vashem verlieh ihm 2004 die Auszeichnung „Righteous among the Nations“ („Gerechter unter den Völkern“); er ist einer der wenigen Katholiken, die diesen Titel verliehen bekamen. Wie wichtig sein Zeugnis gerade heute ist, zeigt die Ausstellung, die vom 4. bis 28. September zu den Öffnungszeiten des Rathauses (Montag bis Freitag, 6 bis 18 Uhr) zu sehen ist.

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DT