Offener Brief an Amerikas Bischöfe

Die Leitartikler des „National Catholic Reporter“ haben kurz vor Beginn der diesjährigen Herbstvollversammlung der Bischöfe der Vereinigten Staaten einen „Offenen Brief“ publiziert und sich darin kritisch über Umgang der amerikanischen Hirten mit der Missbrauchskrise geäußert. „Es ist vorbei“, schreiben sie und meinen damit: „alle Manipulationen und Verzerrungen der vergangenen 33 Jahre, alle Versuche, abzulenken und auszuweichen“. Die Justiz habe gegen die Bischöfe ein Ermittlungsverfahren über den Umgang mit den sexuellen Missbrauchsfällen durch den Klerus eingeleitet. Die Verfasser klagen in ihrem Schreiben die Bischöfe an, dass der Missbrauch schon seit langem stattfinde. Das Schlimmste sei während des Pontifikats „des übereilt heiliggesprochenen Johannes Paul II. geschehen, einem Giganten auf der internationalen Bühne zwar, doch ein Hirte, der die Wölfe durch seine eigene Herde streunen ließ. Seine verklärte Vorstellung eines heroischen Priestertums setzte ihn außerstande, die Wahrheit von glaubwürdigen Zeugen zu vernehmen, einschließlich der wenigen Bischöfe, die es wagten, diese idealisierte Welt mit beunruhigenden Berichten durcheinanderzubringen.“

Mit Blick auf andere Kritiker des bischöflichen Umgangs mit dem Missbrauchsskandal wenden sich die Leitartikler jedoch auch gegen den Versuch einiger, „schwule Priester für die Krise verantwortlich zu machen“. Sicher seien „schwule Priester und Bischöfe unter uns – vermutlich gibt es im katholischen Klerus eine höhere Prozentzahl an Schwulen, als man in der Allgemeinbevölkerung vorfindet“. Dennoch lasse sich keine Entsprechung zwischen „der sexuellen Orientierung“ der Geistlichen mit den Missbrauchsfällen feststellen: „Die Orientierung ist kein bestimmender Faktor beim Kindesmissbrauch. Wenn dem so wäre, müssten wir die heterosexuelle Orientierung als eine Ursache untersuchen, weil viele der Missbräuche von heterosexuellen Männern gegenüber Jungen und Mädchen begangen werden.“

Die Bischöfe sollten „nicht mehr behaupten, dass Sie nicht wüssten, was vor dem Jahr 2002 vor sich ging. Dass der Skandal 2002 explodierte, lag daran, dass eine lange Zündschnur in Stadt für Stadt und Staat für Staat Explosionen auslöste.“ Sie kannten „die potenziellen Folgen, so dass Sie Scharen von Anwälten engagierten. Sie wussten genug, um Geheimakten unter Verschluss zu halten.“ Die für Januar geplanten Exerzitien seien für die Oberhirten ein „perfekter Ort“, um sich rückzubesinnen und dort die Hilfe von Mitbrüdern zu erbitten: „Sie werden den Weg kennen.“ Bis wann die amerikanischen Bischöfe konkrete Maßnahmen vorstellen können, ist derzeit offen. Pläne, in Baltimore über ein Maßnahmenpaket zum Umgang mit Missbrauch zu entscheiden, wurden vom Vatikan am Montag überraschend auf Eis gelegt, so dass die Bischöfe über keinen der beiden vorgesehenen Aktionspläne abstimmen werden. KS

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24.09.2021, 10  Uhr
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