Ökumenische Premiere in Wien

Zeichen der Freundschaft zwischen den Kirchen: Heiligenkreuzer Kreuzreliquie besucht die griechisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale in Wien
Foto: Gabriela Pichler | Abt Maximilian Heim OCist (li.) und der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios.
Foto: Gabriela Pichler | Abt Maximilian Heim OCist (li.) und der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios.

Wien (DT/poi/KAP) Unter dem Motto „Ökumene im Zeichen des Kreuzes“ wurde die kostbare Reliquie des Kreuzes Christi aus dem Zisterzienser-Stift Heiligenkreuz von Freitag bis Sonntag an die griechisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale in Wien zur Verehrung durch die Gläubigen übergeben. Am Freitagabend geleiteten die Mönche von Heiligenkreuz mit Abt Maximilian Heim an der Spitze nach einer Choralvesper in der Bernardi-Kapelle des Heiligenkreuzer Hofes in einer gemeinsamen Prozession mit Metropolit Arsenios Kardamakis und seinem Klerus die Kreuzreliquie zur Dreifaltigkeitskathedrale. An Vesper und Prozession nahm auch der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics teil. An der Spitze der Prozession gingen die Ritter und Damen des Ritterordens vom Heiligen Grab. In der Kathedrale wurde der „Hymnos Akathistos“ angestimmt. Dann erklangen vor der Kreuzreliquie in der orthodoxen Kathedrale bis Mitternacht Hymnen und Gesänge zu Ehren des „lebenspendenden Heiligen Kreuzes“ aus gregorianischer und byzantinischer Tradition, abwechselnd gesungen von einem Chor der Mönche von Heiligenkreuz und vom Chor der orthodoxen Kathedrale.

Die zeitweise Übertragung der Reliquie aus Heiligenkreuz in die orthodoxe Kathedrale ist ein Symbol des ökumenischen Klimas in Österreich und zugleich ein Zeichen für die Freundschaft zwischen der griechisch-orthodoxen Metropolie und dem Zisterzienserkloster Heiligenkreuz. Metropolit Arsenios sah im Besuch der Reliquie aus Heiligenkreuz in der Dreifaltigkeitskathedrale „ein lebendiges Zeichen unserer gegenseitigen Wertschätzung in Christus und unseres Verständnisses der Ökumene“. Abt Maximilian Heim erinnerte bei der Vesper daran, dass die in Stift Heiligenkreuz verehrte Kreuzreliquie in Heiligen Jahren – zuletzt im Jahr 2000 – am Sonntag nach Ostern auf „Pilgerschaft“ geht. Zum ersten Mal sei in diesem Mal eine orthodoxe Kirche Ziel dieser Pilgerschaft, wobei es ein schönes Zusammentreffen sei, dass am 3. April, der in der katholischen Kirche der „Sonntag der Bamherzigkeit“ ist, in der Orthodoxie das Kreuzerhöhungsfest gefeiert wird. „Die Liebe zu Christus führt uns gemeinsam zum Kreuz und zur Verehrung dieser kostbaren Reliquie“, sagte der Abt.

Die Diözese Eisenstadt hat der griechisch-orthodoxen Metropolie zudem eine kleine Reliquie des Kreuzes Jesu geschenkt. Bischof Ägidius Zsifkovics und der Heiligenkreuzer Abt überreichten sie Metropolit Arsenios am Freitag. Die ökumenische Geste sei ein „notwendiges Hoffnungszeichen, dass irgendwann alle Christen wieder in voller Gemeinschaft vor dem Kreuz und vor dem Auferstandenen stehen werden“, erklärte Zsifkovics in einer am Sonntag verbreiteten Mitteilung der Diözese Eisenstadt. Der gemeinsame Blick auf das Kreuz Christi sei „das einende Band unserer beiden Kirchen“, so der burgenländische Bischof. Oft werde vergessen, dass die Apostel Petrus und Andreas – die in der katholischen beziehungsweise in der orthodoxen Kirche zu Schlüsselfiguren wurden – leibliche Brüder waren und dass beiden der Auferstandene begegnet sei. „Aus der Sicht Jesu muss es fast schizophren wirken, dass wir als Christen heute gespalten sind – als ob der Kern seiner universalen Botschaft, seines Kreuzestodes und seiner Auferstehung aufteilbar und theologisch verhandelbar wäre“, so der Bischof. Er sei überzeugt, dass das Kreuz letztlich alle historische Spaltungen zwischen Katholiken und Orthodoxen überwinden werde.

Metropolit Arsenios war von der Schenkung der kleinen Reliquie völlig überrascht und bedankte sich bei den Stiftern für die Geste, die ebenso eine „Martinstat“ sei wie die Stiftung des burgenländischen Grundstücks für das erste orthodoxe Kloster Österreichs, das sich mittlerweile in der heißen Phase der nötigen landesbehördlichen Verfahren für den Bau befindet.

Während die kleine Eisenstädter Kreuzreliquie dauerhaft in der orthodoxen Kathedrale verbleibt, wurde die am Freitag überstellte große Heiligenkreuzer Reliquie am Sonntag wieder an Abt Maximilian Heim übergeben. Bei der liturgischen Feier zeigte sich Metropolit Arsenios gegenüber den Heiligenkreuzer Mönchen „sehr dankbar“ dafür, ihr „Kostbarstes“ den orthodoxen Gläubigen anvertraut zu haben, für welche dies „Freude und Segen“ bedeutet und die „brüderliche Beziehung“ zwischen der orthodoxen Metropolie und dem Stift sichtbar gemacht habe.

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