Ökumenische Kontroverse

Evangelische Beteiligung bei Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt umstritten

Trier/Mülheim (DT/idea) Die Beteiligung der Evangelischen Kirche im Rheinland an der diesjährigen Heilig-Rock-Wallfahrt des Bistums Trier sorgt innerkirchlich für Diskussionen. Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf) hatte auf der Landessynode am 9. Januar in Bad Neuenahr die Mitwirkung als Chance bezeichnet, „den einen Herrn der Kirche, Jesus Christus, als die gemeinsame Mitte zu feiern“.

Theologisch konservative Gruppen äußern Bedenken. Der Vorsitzende der Evangelischen Sammlung im Rheinland, Pfarrer Wolfgang Sickinger (Mülheim/Ruhr), nannte die evangelische Beteiligung an der Wallfahrt verwunderlich. Dem Trierer Bischof Stephan Ackermann sei zwar ein echtes ökumenisches Interesse abzunehmen. „Aber ob diese spirituelle Wallfahrt der richtige Ort ist, um Ökumene herausgehoben zu praktizieren, da bin ich mir nicht so sicher“, sagte Sickinger gegenüber idea. Schon zu Lebzeiten Martin Luthers (1483–1546) sei diese Wallfahrt kritisiert worden. Sickinger fragt: „Welches Signal wird da ausgesandt?“

Der Vorsitzende des Lutherischen Konvents im Rheinland, Pfarrer Winfrid Krause (Thalfang/Hunsrück), verwies gegenüber idea darauf, dass der bei der Wallfahrt ausgestellte „Heilige Rock“ auch nach Überzeugung des Bistums Trier wahrscheinlich nicht das echte Untergewand Jesu Christi sei: „Es ist daher die Frage, ob sich das unechte Untergewand Jesu in Trier wirklich für die Ökumene eignet.“

Die im Blick auf die ökumenische Wallfahrt vorgetragene Deutung des ungeteilten Rockes als Zeichen der ungeteilten Kirche sei nicht biblisch, sondern modern. Der aus verschiedenen Stoffen in verschiedenen Zeitepochen zusammengenähte Trierer Rock könne ebenso als Abbild der konfessionellen Vielfalt verstanden werden, so Krause.

Diskussion um besonderen Ablass

Kritik an der Ausgestaltung der ökumenischen Wallfahrt kommt auch von katholischer Seite: In einem Offenen Brief an den Trierer Bischof Ackermann fordert die katholische Journalistin Barbara Wenz (Loreto/Italien), Katholiken sollten bei der Wallfahrt einen Ablass erlangen können. Bei einem Ablass wird die Strafe für Sünden aufgrund von guten Werken (zum Beispiel Gebete, Almosen, Pilgerfahrt) teilweise oder ganz erlassen. Frau Wenz – eine ehemalige Protestantin – zeigte sich „davon überzeugt, dass ein wie auch immer gerichteter Weg der Ökumene in Wahrheit nicht darin bestehen kann, dass Katholiken auf die Gnadenschätze, die ihre Kirche zu verteilen hat, verzichten sollen“.

Nach Angaben des Bistums Trier können Gläubige während der Heilig-Rock-Wallfahrt „unter den üblichen Bedingungen“ einen Ablass gewinnen. Dieser werde beim Besuch heiliger Stätten im Rahmen einer Gruppenwallfahrt Gläubigen erteilt, die dort „andächtig das Gebet des Herrn und das Glaubensbekenntnis“ beten. Bischof Ackermann habe aber auf einen „besonderen Ablass“ verzichtet.

„Die Erwirkung eines besonderen Ablasses würde für die Bemühungen um eine ökumenische Gestaltung der Wallfahrt einen Stein des Anstoßes darstellen, denn nach wie vor ist das Stichwort ,Ablass‘ im Gespräch zwischen Katholiken und Protestanten als zentraler Punkt der Auseinandersetzungen zu Beginn der Reformation mit großen Sensibilitäten verbunden“, so die Bischöfliche Pressestelle. Die Heilig-Rock-Wallfahrt findet vom 13. April bis 13. Mai 2012 statt.

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