BISCHOF FRANZ-PETER TEBARTZ-VAN ELST.

„Nicht schweigen“

Familienbischof Franz-Peter Tebartz van-Elst wünscht mehr Klartext zum Lebensschutz Von Hinrich E. Bues
Foto: KNA | Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Foto: KNA | Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Herr Bischof, welche Fazit ziehen Sie als Familienbischof und Teilnehmer über das Dialogforum in Hannover?

Das Thema Ehe und Familie ist heute Morgen nicht ausdrücklich behandelt worden. Das bedauere ich angesichts der Themenfülle. Aber es ist ein so wichtiges Thema, dass es nicht hintenan gesetzt werden darf. Wir müssen deutlich machen, dass die christlich gelebte sakramentale Ehe und die Familie ein zunehmend auch kontrastierender Lebensentwurf zu dem ist, was sich gegenwärtig gesellschaftlich ereignet. Wir respektieren jeden Menschen in seiner Geschöpflichkeit, aber wir können nicht alle Lebensformen gutheißen. Christlich gelebte Ehe und Familie unterscheiden sich vom Grundverständnis, auch vom Neuen Testament her, von dem, was heute vielfach gelebt und getan wird.

Was kann die Kirche denn zur besseren Vorbereitung auf die sakramentale Ehe tun?

Das ist die zentrale Frage, mit der wir uns beschäftigen müssen. Ich möchte das als Familienbischof auch noch stärker in die Arbeit der Kommission hineinnehmen. Konsequent bedeutet das, zum Beispiel in der Vorbereitung auf die christliche Eheschließung das sakramentale Verständnis der Ehe zu vermitteln. Eine einzelne Veranstaltung, ein vorbereitendes Gespräch zwischen Pfarrer und Brautpaar kann das nicht leisten. In der Ehevorbereitung muss geistlich-katechetisch in das Verständnis der christlichen Ehe eingeführt werden, so wie es im Neuen Testament auch bezeugt ist. Wo wir das tun, wird deutlich, dass der christliche Ehebund ein Abbild des Bundes Gottes mit seinem Volk ist.

Wie sollte die Kirche mit homosexuellen Partnerschaften, mit Alleinerziehenden, mit Geschiedenen umgehen?

Die Kirche hat eine pastorale Sorge für jeden Menschen wahrzunehmen, jedem Menschen gegenüber Respekt und Wertschätzung auszudrücken. Deswegen kann die Kirche aber noch lange nicht Lebensformen, wie eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft, gutheißen. Bei den Alleinerziehenden ergibt sich natürlich eine völlig andere Situation. Hier geht es darum, in pastoraler, konkret unterstützender Weise zu fragen: Wie können wir alleinerziehenden Müttern oder Vätern helfen? Besonders in Bezug auf die christliche Erziehung der Kinder, aber auch in materieller Hinsicht. Da haben wir als Kirche eine große sozialethische Verpflichtung.

Gibt es konkrete Initiativen aus dieser Konferenz zum Schutz ungeborenen Lebens?

Ich wünsche mir, dass wir auf das Thema Abtreibung noch viel deutlicher zu sprechen kommen. Hier geht es um das gesellschaftliche Engagement im Bereich des Lebensschutzes. In der Verantwortung des Glaubens muss dies unbedingt ein Thema bleiben. Für Christen gilt der Lebensschutz am Anfang des Lebens, also auch in der vorgeburtlichen Phase, bis zum natürlichen Ende. Leider müssen wir erleben, dass sogar in Deutschland die Euthanasie wieder gesellschaftsfähig gemacht werden soll. Christen sind von Anfang an Anwalt des Lebens gewesen und geworden. Gott ist der Herr über Leben und Tod. Das haben wir in aller Deutlichkeit zu vertreten. Hier dürfen wir nicht schweigen.

„Nicht schweigen“
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