Nach Suspendierung weiter auf Abwegen

In Polen erschüttert ein Priester der Diözese Krakau die Einheit der Gläubigen. Von Stefan Meetschen

Krakau (DT) Ein neuer Priesterskandal erschüttert die Kirche in Polen. Ursache der Empörung, die inzwischen auch von den weltlichen Medien des Landes breitflächig ausgeschlachtet wird, ist der Fall des 50-jährigen Priesters Piotr Natanek, der zur Diözese Krakau gehört und dort bislang an der renommierten Päpstlichen Universität Johannes Paul II. als wissenschaftlicher Lehrer tätig war. Genauer gesagt bis zum 26. Mai dieses Jahres. An diesem Tag wurde ihm nämlich von Kardinal Stanis³aw Dziwisz, dem früheren Sekretär von Johannes Paul II., nach vielen Verwarnungen die Lehrerlaubnis entzogen. Grund: Natanek verbreite Glaubensanschauungen und Ansichten, die nicht im Einklang mit dem Lehramt der Kirche stünden und auf kirchlich nicht anerkannten Privatoffenbarungen beruhten. Tatsächlich hat Natanek auf einem Grundstück bei Grzechynia, das ihm selbst gehört, auch ohne kirchliche Erlaubnis ein eigenes Glaubenszentrum mit Kapelle und Exerzitien-Haus errichtet, das von vielen Gläubigen Zulauf erhält. Insbesondere von Anhängern einer Bewegung, die sich für die Inthronisation von Christus als König von Polen einsetzt.

Predigten kursieren auf youtube und im Internet

Das Lehrverbot konnte Natanek aber nicht davon abhalten, sein exzentrisches Treiben fortzusetzen. Im Gegenteil: Immer mehr Natanek-Predigten kursieren mittlerweile bei youtube und an anderer Stelle im Internet, sodass sich Kardinal Dziwisz Ende Juli dazu veranlasst sah, diesen Priester seiner Diözese vom Dienst zu suspendieren. Natanek darf offiziell seit 22. Juli nicht mehr die Sakramente spenden und auch nicht im Namen der römisch-katholischen Kirche lehren. Wobei Dziwisz in seiner offiziellen Erklärung die Anhänger Nataneks ausdrücklich darum bittet, dem Priester dabei zu helfen, wieder zur Einheit mit der Kirche zurückzukommen.

Ein Appell, der jedoch einen gegenteiligen Effekt bewirkte. Nicht nur, dass Natanek inzwischen Kardinal Dziwisz öffentlich als „Freimaurer“ denunziert und beschimpft, seine eigenen Gefolgsleute haben einen Brief an den polnischen Nuntius, Celestino Migliore geschrieben, in dem sie behaupten, dass „die wahre Bedrohung für die polnische Kirche“ nicht Pfarrer Piotr Natanek sei, sondern die Spitze der „Hierarchie in der polnischen Kirche“. Dieser Brief, den 1 400 Personen unterzeichnet haben, soll auch an den Papst gesandt werden.

Weihnachten und Ostern in einem Fest zusammenführen

Inzwischen hat Natanek nicht nur Kardinal Dziwisz, sondern auch konservative katholische Publizisten, wie den Chefredakteur des Magazins „Fronda“, Tomasz Terlikowski, die ihn für seinen Ungehorsam kritisieren, als „Freimaurer“ beschimpft, während er sich selbst als „neuen Marcel Lefebvre“ bezeichnet, der „von Christus und der Gottesmutter persönlich unterstützt“ auf einem „Nebengleis“ der Kirche wirken werde.

Möglich, dass als nächstes Nataneks Exkommunikation folgt. Zumal er auf dem eigenen Grundstück – trotz Suspendierung – weiter die Messe zelebriert und die Sakramente spendet. Wie zerrüttet der mentale Gesundheitszustand des Priesters mittlerweile ist, offenbart eine seiner jüngsten Predigten, in welcher er die Einführung eines neuen Feiertages bekannt gibt: Die sogenannte „Feier der beiden Herzen“ am 24. September. Dieser Tag, so Natanek, solle die Geburt und Auferstehung Christi, also Weihnachten und Ostern zusammenführen. Dass ihm dieser Feiertag von Christus persönlich offenbart worden sein soll, versteht sich da fast von selbst.

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