Müller: Warten auf Entscheid zu Medjugorje

Warschau DT/(KAP) Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, hat eine „womöglich noch lange Wartezeit“ auf eine endgültige Entscheidung des Vatikan über eine Anerkennung der berichteten Marienerscheinungen von Medjugorje in Aussicht gestellt. „Ein pastorales Phänomen darf nicht auf falsche Grundlagen gebaut sein, und wir können seelsorgliche Angelegenheiten nicht von Fragen rund um die Echtheit dieser Visionen trennen“, sagte er im Interview mit der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI. Die Erforschung über den übernatürlichen Charakter der Ereignisse von Medjugorje war Gegenstand einer von Kardinal Camillo Ruini geleiteten vatikanischen Kommission, die 2014 ihre vierjährige Arbeit beendete und die Ergebnisse der Glaubenskongregation überreichte. Die Glaubenskongregation würde die behaupteten gut 42 000 bisherigen Erscheinungen seit 1981 derzeit genau und im Hinblick auf eine Entscheidung durch den Papst untersuchen, sagte Müller. Es gäbe keine Fristsetzung für einen Abschluss der Forschungen über den übernatürlichen Charakter der Ereignisse von Medjugorje, sagte Müller. Seine Kongregation werde sich dabei nicht unter Druck setzen lassen. Zu Medjugorje werde eine „nuancierte Position“ aus dem Vatikan nötig sein, „selbst wenn die Erscheinungen der Muttergottes anerkannt werden“, erklärte Müller. Es gebe deutliche Unterschiede zu den längst kirchlich bestätigten Erscheinungen wie etwa Lourdes oder Fatima. „Bei Fatima sahen wir einen klaren, eindringlichen Aufruf gegen die Verbreitung des Kommunismus – und den konkreten und prophetischen Appell, ihm mit Gebet und Zeugnis entgegenzutreten“, so der Kurienkardinal. Allgemein sollten Privatoffenbarungen „eher als prophetische Erfüllungen von Forderungen des Evangeliums, denn als etwas Neues oder Notwendiges“ gesehen werden.

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