Mönch und Gelehrter

Dem Benediktinerpater Thomas Michels, der als Deutscher zum österreichischen Patrioten und zum Protagonisten einer katholischen Universität wurde, widmet die Universität Salzburg derzeit eine Ausstellung. Von Stephan Baier

Mit dem vielseitigen Benediktiner Thomas Michels (1892 bis 1979) befasst sich eine Ausstellung des Fachbereichs Geschichte der Universität Salzburg, die im Literaturarchiv noch bis 25. Februar zu besichtigen ist. Der in Krefeld geborene, der Abtei Maria Laach zugehörende, jedoch überwiegend in Salzburg wirkende Benediktinerpater wurde vom Zeithistoriker Ernst Hanisch den „Nachwehen des barocken Katholizismus“ zugeordnet. Als Anhänger des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß war er zugleich ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus.

Der Projektleiter und Kurator der Ausstellung, Dozent Alexander Pinwinkler, erklärt gegenüber der „Tagespost“, Michels sei 1928/29 im Auftrag seines Maria Laacher Abtes nach Salzburg entsandt worden, um den Bemühungen, eine katholische Universität zu begründen, personellen Rückhalt zu geben. „Die katholische Universitätsidee war in Österreich in der damaligen Zeit Teil der Ideologie des politischen Katholizismus, der von Sozialdemokraten und Deutschnationalen heftig bekämpft wurde.“ Der austrofaschistische Kanzler Dollfuß habe das Salzburger katholische Universitätsprojekt, „mit dem sich Michels zeitlebens stark identifizierte“, sehr unterstützt. Auch erschien das ständestaatliche Österreich, „jedenfalls im Vergleich zu NS-Deutschland, als Refugium der Idee des christlichen Abendlands und auch als legitimer Erbe der Vision des alten Reiches“, so Pinwinkler gegenüber dieser Zeitung.

Der Benediktiner habe nicht nur 1935 die österreichische anstelle der deutschen Staatsbürgerschaft angenommen: „Michels sah im Österreich des Dollfuß/Schuschnigg-Regimes das ,wahre Deutschland‘, das Katholizismus, ,Abendland‘ und ,katholische Reichsidee‘, wenn auch nur residual, repräsentieren und die in Deutschland aus Michels Sicht verschüttete Reichsidee tradieren würde“, so Pinwinkler.

Am Tag des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich, am 12. März 1938, floh Michels darum aus Salzburg – zunächst nach Italien, später nach Amerika. Bereits im amerikanischen Exil, das für ihn erst 1947 endete, wirkte er für die Wiedererrichtung der Universität Salzburg. Am 1. Mai 1945 notierte er in seinen Kalender: „Salzburg frei! Ich verlange heim nach Österreich mehr denn je. Was soll ich hier?“ Tatsächlich kehrte der deutsche Benediktiner erst im Herbst 1947 „heim“ nach Salzburg, wo er seine Vision einer katholischen Universität wieder aufnahm und betrieb. Anstelle der geplanten katholischen Universität wurde in Salzburg 1962 die staatliche „Paris-Lodron-Universität“ errichtet. Dazu meint Pinwinkler: „Michels wurde – gleichsam zur Kompensation – indes erster Präsident des 1961 begründeten Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften (IFZ) auf dem Mönchsberg in Salzburg.“ Er blieb es bis 1977.

Im US-amerikanischen Exil hatte der Mönch sich in österreichischen Legitimistenkreisen bewegt, nach seiner Heimkehr wandte er sich gegen eine Rückkehr von Ex-Nazis in ihre früheren Ämter und Positionen. Auch bleibe er „als Netzwerker, als Organisator der katholischen Salzburger Hochschulwochen, aber auch als Förderer von Künstlern und Intellektuellen in Erinnerung“.

Die Ausstellung präsentiert Michels als einen der führenden Akteure des deutschen und österreichischen Verbandskatholizismus im 20. Jahrhundert, der über Jahrzehnte mit einer Vielzahl von Wissenschaftlern, Intellektuellen und Künstlern in Verbindung stand. Die Ausstellung „Pater Thomas Michels – Mönch, Gelehrter, Politiker“ zeigt Originaldokumente aus seinem Nachlass in der Abtei Maria Laach sowie Dokumente aus Archiven und Bibliotheken in Salzburg, Wien, Rom, Berlin und aus den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Ausstellung ist im Literaturarchiv Salzburg (Residenzplatz 9) noch bis 25. Februar zu sehen: Mo/Di/Do 10–16 Uhr, Mi 13–18 Uhr, Fr 10–14 Uhr.

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