Mit Maria kann ein neuer Anfang geschehen

Hoffnung und Vertrauen: Beim „Zweiten Europäischen Kongress der Marianischen Kongregation“ zeigt sich, dass wahres Wachstum und Evangelisierung nur mit der Gottesmutter möglich sind. Von Stefan Meetschen
Foto: Meetschen | Traditionsreiches Haus für traditionsverbundene Marienverehrer: Die Sodalen trafen sich in der Abtei Tyniec bei Krakau.
Foto: Meetschen | Traditionsreiches Haus für traditionsverbundene Marienverehrer: Die Sodalen trafen sich in der Abtei Tyniec bei Krakau.

Krakau (DT) Ein altes Kloster auf einem Felsen, direkt am Ufer eines Flusses, der Weichsel: Einen besseren und symbolträchtigeren Ort als die Benediktinerabtei Tyniec bei Krakau hätten die Marianischen Kongregationen und Sodalitäten für den „Zweiten Europäischen Kongress der Marianischen Kongregationen“, der dort vom 14. bis 18. April stattfand, wohl kaum finden können. Schließlich ist es den verschiedenen Leitern der Kongregationen, die auf eine über 450-jährige Geschichte seit der Gründung der „Prima Primaria“, der ersten Kongregation in Rom, zurückblicken können, ein Anliegen, fest gegründet auf dem unverrückbaren Felsboden des kirchlichen Lehramtes zu bleiben, gleichzeitig aber auch dynamisch und beweglich genug zu sein für die evangelistischen Herausforderungen der Gegenwart.

„Die Rolle der Marianischen Kongregationen für das Wachstum des Glaubens in Europa“ lautete denn auch das Thema der Tagung und bereits bei der ersten heiligen Messe der Konferenzteilnehmer in der Basilika der Abtei ließ der Präses der Kongregation Straubing, Pfarrer Werner Maria Hess, keinen Zweifel daran aufkommen, was die Grundlage eines solchen Wachstums sein muss: Keine anspruchslose Mitgliedschaft, sondern eine ernsthaft von allen Sodalen („Weggefährten“) gepflegte Verknüpfung von „Ortho-Doxie“ (Glaubenswissen) und „Ortho-Praxie“ (Glaubenspraxis), die sich am Beispiel der Muttergottes orientiert. „Wir sind ja – Gott sei Dank – mit diesen „Wachstums-Aufgaben“ nicht allein. Wir sind Kinder einer Mutter, die uns ein Vorbild ist in einem reifen und festen Glauben und zum anderen, die uns nährt und lehrt.“

Eine Mutter auch, die durchaus etwas vom Hand- und Gebetswerk der Neuevangelisierung versteht, wie der Sodale und Gastreferent Monsignore Markus Hofmann, Regens des Kölner Priesterseminars, in seinem Vortrag im geschmackvoll renovierten Konferenzsaal der Abtei deutlich machte. Vor Teilnehmern aus Polen, Deutschland und Frankreich bot Hofmann einen interessanten historischen Überblick auf sieben wundersame Eingriffe Marias in dunkler Zeit: So nannte er unter anderem die Erscheinungen im mexikanischen Guadalupe 1531, die zu Massentaufen führten, das den Abzug der Roten Armee aus Österreich (15. Mai 1955) bewirkende intensive Rosenkranzgebet der beteiligten österreichischen Politiker und natürlich den „Totus Tuus“-Papst Johannes Paul II., welcher im Vertrauen auf Marias Hilfe den entscheidenden, siegreichen Kampf mit dem Drachen des Kommunismus aufnahm. Auch heute dürfe man sich nicht durch manche Zahlen entmutigen lassen. „Wenn wir schon auf Statistiken und Zahlen schauen, dann sollten wir allerdings den Kopf heben und nicht immer wieder bei unserem eigenen Kirchturm stehenbleiben“, so Hofmann. Denn: „Niemals in der Geschichte der Menschheit bis heute gab es absolut und prozentual so viele Katholiken wie heute: 1, 2 Milliarden. Jeden Tag werden weltweit 34 000 Menschen neue Mitglieder der katholischen Kirche. Die Anzahl der Katholiken stieg im Jahr mit 1, 5 Prozent schneller als die Weltbevölkerung mit 1, 23 Prozent. Auch die Zahl der Priester und Seminaristen weltweit nimmt weiter zu.“

Zeichen des Wachstums, die oft übersehen werden. Wahrscheinlich, so kann man vermuten, weil sie weniger schlagzeilentauglich sind als negative Meldungen und sich dazu auch nicht als Grundlage für waghalsige Reformvorhaben eignen. Vor solchen warnte der ebenfalls als Gastreferent eingeladene frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Werner Münch, der über den Glauben, die Moral und die Familie in Europa referierte. Dabei kritisierte Münch nicht nur die „teuflische Ideologie“ des Gender-Mainstreaming, welche „ein Angriff auf die christliche Kultur unseres Abendlandes“ sei, „mit dem Ziel, das bestehende Gesellschaftssystem und vor allem unsere Familien zu zerstören“, in der auf das Referat folgenden Aussprache kritisierte der katholische Sozialwissenschaftler auch innerkirchliche Bestrebungen, der „Lebenswirklichkeit“ einen größeren Einfluss auf die kirchliche Lehre zuzusprechen: „Wenn Tradition und Lehre, Wahrheit und Glaube eingetauscht werden sollen gegen Zeitgeist und Toleranz, habe ich als Laie das Recht, dagegen zu protestieren und die Sakramente zu verteidigen“, so Münch.

Eine Kampfesansage, die unter den Zuhörern viel Beifall fand und verdeutlichte, dass marianisch geprägte Menschen keineswegs frömmelnd oder weltabgewandt sein müssen, wie ihnen oft von Kritikern unterstellt wird, sondern durchaus unangepasst und engagiert sein können, wenn die Umstände dies verlangen. Ein Eindruck, der sich beim Ausflug der Konferenzteilnehmer nach Wadowice, dem Geburtsort des polnischen Papstes, nur bestärkte. War doch auch Johannes Paul II. alias Karol Wojty³a bereits als Jugendlicher ein Mitglied in der örtlichen Marianischen Kongregation, wie ein im modernisierten Johannes Paul II.-Museum ausgestelltes Aufnahmediplom eindrucksvoll dokumentiert.

In der Taufkirche Karol Wojty³as in Wadowice bot sich den Konferenzteilnehmern dann nicht nur die Möglichkeit, an einer heiligen Messe mit dem früheren Sekretär des Papstes, dem jetzigen Metropoliten von Krakau, Kardinal Stanis³aw Dziwisz, teilzunehmen, sondern der Kardinal, der in Aussehen und Diktion Johannes Paul II. immer ähnlicher wird, trat nach der Messe auch auf die Teilnehmer zu, um jeden per Handschlag zu begrüßen und sich für ein Gruppenfoto zu positionieren. Für viele Teilnehmer ein emotionaler Höhepunkt der viertägigen Konferenz. Zumal Dziwisz („Es ist gut und schön, dass ihr nach Wadowice gekommen seid“) die Teilnehmer ermutigte, hoffnungsfroh in die Zukunft zu sehen, auch wenn „die Zeit, in welcher wir leben, nicht so einfach“ sei. „Johannes Paul II. sah“, so Dziwisz, „dass die Kultur Europas trotz ihrer christlichen Wurzeln immer mehr säkularisiert wird. Doch er wusste, dass die Kirche für Europa ein Angebot, einen Schatz besitzt, nämlich den Glauben an Jesus Christus. Habt auch Ihr die Hoffnung, dass die Kongregationen neu erstarkt werden. Wo das Ende droht, kann ein neuer Anfang geschehen. Setzt Euch für Glaube, Hoffnung und Liebe, die Grundwerte Europas ein!“ Wie berechtigt ein solch hoffnungsvoller Blick tatsächlich ist, belegen die Zahlen, welche der Präfekt der „Marianischen Männerkongregation 1608 Köln“, Wilfried Becher, in den vergangenen Jahren recherchiert hat, um einen Überblick zu Mitgliedern Marianischer Kongregationen zu bekommen. Demnach gibt es derzeit über 45 000 Sodalen in ganz Europa – neben Deutschland, Frankreich und Polen auch in Südtirol und Spanien. In Köln freut man sich besonders, dass gerade auch jüngere Männer Interesse finden, sich der ehrwürdigen Kongregation anzuschließen. Was jedoch, wie Becher betont, nicht ohne eine Zeit der Prüfung abläuft. Wer Beliebigkeit sucht, ist bei den Sodalen also an der falschen Stelle – jedenfalls, wenn er in Köln anklopft.

Erfreulich ist aber auch, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Kongregationen mittlerweile funktioniert. So wurde der Europäische Kongress, eine organisatorische Mammut-Aufgabe, wie man sich leicht vorstellen kann, von den Kölner Sodalen, deren Kongregationskirche St. Maria in der Kupfergasse ist, und der Marianischen Männer-Congregation Regensburg unter dem Vorsitz von Monsignore Thomas Schmid, der als freundlicher und blitzgescheiter Moderator fungierte, geschultert. Aber auch der als kongenialer Übersetzer wirkende Präses der Passauer Kongregation, der seit 1981 in Deutschland lebende Paulinerpater Mirko Legawiec, verdient Lob für sein Engagement bei der Tagung. Mit perfektem Polnisch, perfektem Bayrisch und perfektem Latein ermöglichte er den international-vernetzten Austausch, der um künstlerische Akzente durch den Kirchenmusiker Emanuel B¹czkowski bereichert wurde.

Wie aktiv und den ihren zugewandt Maria tatsächlich ist, erfuhren die Kongressteilnehmer durch den Sodalen Richard Gosk, einen polnischen Apotheker und Wahl-Kölner, der ebenfalls intensiv bei der Kongress-Vorbereitung mitgewirkt hat und der nebenher für ein schwer herzkrankes Kind zum Sturmgebet aufgerufen hatte. Während des zweiten Veranstaltungstages erhielt Gosk die Mail einer deutschen Stiftung, die 12 000 Euro für die notwendige, aber kostenintensive Operation spenden wolle. Eine Gebetserhörung, die zeigt, dass mit der Mutter Gottes auch (oder gerade) in Momenten größter Gefahr immer zu rechnen ist – wie auch mit den Marianischen Kongregationen. Daran ließ das Grußwort an die Teilnehmer aus Rom von Kardinal Gerhard Müller, dem Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, keinen Zweifel: „Das reiche historische Erbe apostolischen Wirkens der Marianischen Kongregation, die Weisung der Päpste und Bischöfe in Ihrer Geschichte mögen Ihnen als Grundlage für die Weichenstellungen angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen dienen, um in und mit der Kirche und ihren Hirten ebenso heute der Erneuerung des Glaubens zu dienen.“

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