Missionarin und Ratgeberin

Die heilige Lioba von Tauberbischofsheim am 28. September. Von Katrin Krips-Schmidt

Die Ikonografie der heiligen Lioba, der Glaubensbotin aus dem achten Jahrhundert und Wegbegleiterin des heiligen Bonifatius, die oft mit einem purpurroten Wollknäuel in der Hand dargestellt wird, verweist auf einen Traum ihrer Mutter. Ihre Eltern, aus einem edlen angelsächsischen Geschlecht in Wessex stammend, waren lange Zeit kinderlos geblieben, und eines Tages träumte die Frau, eine Kirchenglocke würde in ihrem Schoß läuten. Eine Amme deutete ihr den Traum, dass sie eine Tochter gebären werde, die sie Gott schenken müsse – so wie es Hannah mit ihrem neugeborenen Sohn Samuel tat, damit er dem Herrn im Tempel diene. Das um 700/710 geborene Mädchen erhielt den Namen Truthgeba („Gottesgabe“) und zusätzlich von ihrer Mutter den Beinamen Lioba („die Liebe Gebende“).

Um 720 wurde Lioba der Obhut von Tetta, der Äbtissin im Kloster Wimborne, übergeben, in dem sie später den Schleier nehmen sollte. Eines Nachts träumte Lioba, dass ihr aus dem Mund ein roter Wollfaden herauskäme. Je mehr sie daran zog, umso länger wurde er, bis sie ein ganzes Knäuel in der Hand hielt. Schließlich wachte sie auf. Eine ältere Nonne erklärte ihr, dass der rote Faden weise Ratschläge seien, die Lioba aus ihrem Herzen heraus sprechen werde. Sie sammelten sich in ihrer Hand, weil die Worte zu Taten werden sollten. Und sie formten eine Kugel, weil sie mit Wort und Tat in weit entfernte Länder aufbrechen werde.

Diese Prophetie erfüllte sich, als der heilige Bonifatius Äbtissin Tetta um die Aussendung von tüchtigen Ordensfrauen auf das europäische Festland zur Christianisierung des Fränkischen Reichs bat. Tetta stellte eine Gruppe zusammen, zu der Lioba und die heilige Walburga gehörten. Lioba wurde zur Äbtissin des im Jahre 735 von Bonifatius errichteten Klosters in Tauberbischofsheim ernannt, wo sie Novizinnen in das klösterliche Leben nach der Regel des heiligen Benedikts einführte und dann in Konvente im ganzen Frankenreich entsandte.

Lioba hatte Kontakte zu allen Ständen. Besonders geschätzt war sie am Hof Karls des Großen, mit dessen Frau Hildegard sie eine herzliche Freundschaft verband. Es hieß von ihr: „Fürsten liebten sie, Bischöfe nahmen sie freudig auf und beredeten sich mit ihr über das Wort des Lebens.“ Ihr Biograf schreibt weiter über sie: „Lioba war stets darauf bedacht, anderen nichts beizubringen, was sie nicht auch selbst befolgte. Sie war sanft in ihrer Rede, von klarem Verstande und großer Umsicht; katholisch in ihrem Glauben, unerschütterlich in ihrer Hoffnung, unbegrenzt in ihrer Liebe.“

Lioba starb um 782 in Schornsheim bei Mainz. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Krypta der von Hrabanus Maurus errichteten Kirche St. Peter (auch Liobakirche) auf dem Petersberg in der Nähe des Klosters Fulda. Die Benediktinerinnen von der heiligen Lioba (in den 1920er Jahren von Schwester Benedikta Föhrenbach gegründet) sind in mehreren deutschen Diözesen sowie in der Schweiz, in Kanada, Belgien, Dänemark und Indien tätig.

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