Missionar in Vietnam

Zum Gedenktag des heiligen Andreas Dung-Lac und seiner Gefährten am 24. November. Von Katrin Krips-Schmidt

Nicht erst in jüngerer Zeit werden im Fernen Osten Christen massiv wegen ihres Glaubens verfolgt. In den zwischen 1625 und 1886 währenden Verfolgungen opferten beispielsweise 130 000 vietnamesische Blutzeugen unter der Herrschaft katholikenfeindlicher Machthaber ihr Leben. Der Katechet Andreas gehört zu den 117 vietnamesischen Märtyrern, die auf grausame Weise hingerichtet und wegen ihrer heroischen Haltung 1900 seliggesprochen und am 19. Juni 1988 von Johannes Paul II. heiliggesprochen wurden.

Anfang des 16. Jahrhunderts kamen westliche Missionare in das Land am Pazifik, dessen Bewohner hauptsächlich dem Buddhismus anhingen. In den ersten zwanzig Jahren des 19. Jahrhunderts konnte die Evangelisierung beträchtliche Fortschritte unter der einheimischen Bevölkerung verzeichnen, erlitt indes dramatische Rückschläge unter den Kaisern Minh-Mang (1820–40) sowie Tu Dúc (1847–83). Seit 1832 wurde von der Obrigkeit befohlen, dass Christen ihrem Glauben abzuschwören hätten. Zum Beweis sollten sie das Kreuz mit den Füßen treten. Gleichzeitig wurden Kirchen zerstört und die Unterweisung ins Christentum verboten. Man hat die Verfolgungen mit denen im Römischen Reich verglichen.

Andreas Dung-Lac wurde um 1785 als Sohn armer Eltern, die Heiden waren, in Bac-Ninh in Nordvietnam geboren. Als er zwölf Jahre alt war, zog er mit seiner Familie nach Hanoi. Ein Katechet kümmerte sich um ihn und führte ihn in den Glauben ein. Andreas ließ sich taufen, lernte Chinesisch und Latein und wurde selbst Katechet. Er durfte Theologie studieren, wurde am 15. März 1823 zum Priester geweiht und wirkte anschließend als Pfarrer und Missionar in verschiedenen Teilen des Landes. Zweimal wurde er unter Kaiser Minh-Mang, dessen Spitzname „Nero“ war, verhaftet, zweimal wurde er gegen ein Lösegeld, das seine Gemeinschaft für ihn aufbrachte, wieder auf freien Fuß gesetzt.

Doch Andreas sehnte sich nach dem Martyrium. Er sagte: ,Jene, die für den Glauben sterben, kommen in den Himmel, wir aber verbergen uns ständig und zahlen auch noch Geld, um uns den Verfolgern zu entziehen! Es wäre besser, uns verhaften zu lassen und zu sterben!“ Einer letzten Gefangennahme entkam er nicht mehr. Gemeinsam mit seinem Gefährten Peter Ti wurde er nach Hanoi verschleppt und dort furchtbarer Folter unterworfen. Sie blieben standhaft und wurden beide am 21. Dezember 1839 enthauptet.

Zu der Gruppe der 1988 heiliggesprochenen vietnamesischen Märtyrer zählen 96 vietnamesische und 21 ausländische Missionare. Zu der Gruppe der Vietnamesen gehören 37 Priester und 59 Laien, darunter befanden sich Katecheten und Tertiare. Eine der Hingerichteten war eine Frau, eine Mutter von sechs Kindern.

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