„Missio ist keine Einbahnstraße“

Die Päpstlichen Missionswerke in Österreich setzen auf Mutter Teresas Spiritualität – Leo Maasburg warnt vor der „Armut des Vielhabens“. Von Stephan Baier
Pater Karl Wallner sammelt für Missio und die Mission
Foto: Missio/Bosina | Bisher sammelte er für den Ausbau der Hochschule Heiligenkreuz, jetzt für Missio und die Mission: Pater Karl Wallner.

Wien (DT) Weniger ein Zufall denn eine glückliche Fügung war wohl, dass die öffentliche Amtsübergabe des bisherigen österreichischen Missio-Nationaldirektors Leo Maasburg an seinen Nachfolger, Pater Karl Wallner, am Montagabend im Wiener Stephansdom im Rahmen der Dankmesse anlässlich der Heiligsprechung von Mutter Teresa stattfand: Maasburg hatte Mutter Teresa sieben Jahre als Priester, Dolmetscher und Organisator rund um die Welt begleitet; Pater Karl Wallner immerhin sechs Stunden in Wien und Heiligenkreuz.

Wie sehr beide von Mutter Teresa beeindruckt und auch geprägt wurden, offenbarte ein kurzer Film, der zu diesem Anlass gemacht und vor Beginn der Dankmesse im Stephansdom gezeigt wurde. Der scheidende wie der neue Missio-Chef erklären in diesem kurzen, durch zahlreiche historische Aufnahmen der neuen Heiligen beeindruckenden Film die Theologie und Spiritualität von Mutter Teresa. Pater Karl Wallner etwa brachte den Boom in Hochschule und Kloster Heiligenkreuz damit in Verbindung, dass man der Aufforderung Mutter Teresas, die Eucharistische Anbetung zu intensivieren, hier gefolgt sei.

Zu Beginn der Dankmesse, an der sieben Bischöfe und rund 3 000 Gläubige teilnahmen, wies der Wiener Kardinal Christoph Schönborn darauf hin, dass Mutter Teresa „die einzig wirkliche Antwort auf die weltweite Not der Abtreibung“ gehabt habe, indem sie über die ungeborenen Kinder sagte: „Tötet sie nicht, gebt sie mir!“

Der bisherige Missio-Chef Leo Maasburg legte die Spiritualität der neuen Heiligen für die Anwesenden aus: „Kalkutta ist überall. Die dunklen Höhlen der Armen sind überall.“ Es gebe nicht nur die Armut jener, die sich um das tägliche Brot sorgen müssen, sondern auch jener Menschen, die keinen Sinn im Leben sehen oder deren Familie zerbrochen ist. Es gebe eine „Armut des Vielhabens“, in der der Mensch durch Überfluss und Geld sediert werde. Arm sei auch jener Mensch, der sich „in maßloser Selbstüberschätzung in der Ablehnung Gottes selbst einsperrt“.

Der Apostolische Nuntius in Österreich, Peter Stephan Zurbriggen, dankte Maasburg für seine Aufbauarbeit bei den Päpstlichen Missionswerken und erinnerte an seine eigene Begegnung mit Mutter Teresa in Kalkutta. Der Nuntius verlas vom Altar aus das von Kardinal Filoni unterzeichnete Ernennungsdekret der „Kongregation für die Evangelisierung der Völker“ für den neuen Missio-Chef, Pater Karl Wallner, der als Rektor der Hochschule in Heiligenkreuz, als Buchautor und Vortragender sowie als Medienverantwortlicher des Zisterzienserstiftes im Wienerwald einer der bekanntesten Priester in Österreich wurde.

Wallner selbst nannte Mutter Teresa eine „Ikone der Gottes- und Nächstenliebe unserer Zeit“. Leo Maasburg habe die österreichische Missio in zwölf Jahren „spiritualisiert“ und aus dem Geist Mutter Teresas geprägt. Papst Franziskus habe beim Treffen aller Missio-Nationaldirektoren in Rom dazu aufgerufen, die ganze Kirche in eine missionarische Aufbruchsstimmung zu versetzen. „Jetzt spricht Petrus zu dir!“, habe er sich da gedacht. Missio müsse Spenden sammeln, weil 22 000 Seminaristen und 1 100 Diözesen sowie hunderte Projekte davon abhingen. „Aber unsere Hilfe für die armen Kirchen des Südens, die boomen und wachsen, muss aus dem Herzen kommen!“ Es brauche „einen Austausch zwischen unserem materiellen Reichtum und dem Glaubensreichtum des Südens“, so Karl Wallner: „Missio ist keine Einbahnstraße.“ Der neue Missio-Chef appellierte an die anwesenden Priester und Bischöfe, mitzuhelfen, eine missionarische Aufbruchsstimmung zu erzeugen.

Beim anschließenden Fest im Arkadenhof des Wiener Erzbischöflichen Palais interviewte Kardinal Schönborn spontan die anwesenden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ und Leo Maasburg über ihre Begegnungen mit Mutter Teresa. Missio-Generalsekretär Eugen Waldstein dankte Maasburg, der in zwölf Jahren „Missio respiritualisiert und auf ihren Kernauftrag neu ausgerichtet“ habe. Er habe das Geschenk, das Mutter Teresa für ihn gewesen sei, stets in Wort und Tat gelebt. Karl Wallner empfahl, Maasburgs Buch über Mutter Teresa zu studieren: „Formt euer Herz an ihrem Herzen, und dann entscheidet frei! Deshalb hat die Kirche uns Mutter Teresa im Jahr der Barmherzigkeit vor Augen gestellt.“

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