Missbrauchsvorwürfe: Ettaler Pater angeklagt

München (DT/KNA) Die Staatsanwaltschaft München II hat Anklage gegen einen Pater des oberbayerischen Benediktinerklosters Ettal erhoben. Ihm werden verschiedene Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen zur Last gelegt, wie die Oberstaatsanwältin Andrea Titz am Freitag in München auf Anfrage bestätigte. Weitere Details nannte sie nicht. Bis das Landgericht über eine Zulassung der Klage entschieden habe, werde es noch einige Zeit dauern. Die Staatsanwaltschaft hatte seit Februar 2010 ermittelt. Bei dem Betroffenen soll es sich laut Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Freitag um den früheren Präfekten des Internats des Benediktinergymnasiums handeln. Dem Ordensmann, der auch Religion unterrichtete, war vorgeworfen worden, einen Siebtklässler gestreichelt zu haben. Nach dem bekannt gewordenen Vorfall im Jahr 2005 habe Abt Barnabas Bögle ein fachpsychiatrisches Gutachten bei einem Psychiater veranlasst, der jedoch nach Angaben des Blatts keine Anhaltspunkte für spezifische psychische Störungen sah. Strafrechtlich relevante Vorwürfe seien nicht gegen den Pater erhoben worden. Grundsätzliche Bedenken gegenüber einem erneuten Einsatz des Benediktiners in der Seelsorge habe es von Seiten des Psychiaters nicht gegeben. Darauf sei der Pater 2005 in die zu Ettal gehörende sächsische Niederlassung nach Wechselburg gewechselt. Dieses Vorgehen wurde von der Münchner Bistumsleitung kritisiert. Sie warf dem Abt vor, den Fall nicht entsprechend den kirchlichen Vorschriften dem diözesanen Missbrauchsbeauftragten gemeldet zu haben. In der Folge traten der Abt sowie der Prior und Schulleiter Maurus Kraß von ihren Ämtern zurück. Die im März erfolgte Apostolische Visitation sah dies am Ende anders. Von Rom wurde der Ordensleitung „korrektes Verhalten“ attestiert. Mittlerweile sind Bögle und Kraß wieder in ihre Ämter zurückgekehrt.

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