Metropolit Kyrill gewählt

Glückwünsche aus Rom und Moskau – Der neue Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche wird am Sonntag eingeführt

Moskau/Rom (KNA/gho) Papst Benedikt XVI. hat seine Freude über die Wahl von Metropolit Kyrill zum neuen Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche bekundet. „Mit Freude“ habe er von der Wahl Kyrills erfahren, sagte der Papst am Mittwoch bei seiner Generalaudienz in der Nervi-Halle. Der neue Patriarch möge seiner Kirche einen großzügigen Dienst leisten. Als Vertreter des Vatikan reist der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper am Sonntag zu den Feierlichkeiten der Amtsübernahme nach Moskau.

Auch Russlands Staatspräsident Dmitri Medwedjew gratulierte dem neuen Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill zu seiner Wahl gratuliert. In einem Telefonat habe er Kyrill die weitere Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche beim Aufbau moralischer Werte in der Gesellschaft angeboten, sagte eine Präsidentensprecherin laut russischen Medienberichten vom Mittwoch. Medwedjew sei überzeugt, dass das neue Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche für ein gutes Auskommen zwischen den Religionen in Russland eintreten werde, wird die Sprecherin zitiert.

Auch Ministerpräsident Wladimir Putin beglückwünschte Kyrill telefonisch. Der 62-jährige Kyrill war am Dienstagabend zum Nachfolger des Anfang Dezember verstorbenen Patriarchen Alexij II. (1990–2008) gewählt worden. Auf den bisherigen Leiter des kirchlichen Außenamtes entfielen 508 Stimmen von Bischöfen, Geistlichen und Laien des Landeskonzils. 169 Delegierte stimmten für seinen Gegenkandidaten, Metropolit Kliment. Kyrill betonte nach der Wahl vor den Mitgliedern des Konzils, dass der Patriarch ein schweres Kreuz zu tragen habe. „Ich nehme aus Ihren Händen diese Gnade Gottes an; ich bitte, meine menschlichen Schwächen zu verzeihen; ich bitte Sie um Ihre Hilfe beim Dienst für Gott. Beten Sie um Gottes Hilfe“, so das neue Kirchenoberhaupt.

Der Ständige Vertreter des Moskauer Patriarchates in Deutschland, der Düsseldorfer Erzbischof Longin von Klin, begrüßte die Wahl Kyrills. Er sei bestens für die Leitung der größten orthodoxen Nationalkirche weltweit geeignet, sagte Longin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch vom Konzil in Moskau. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, dass es zu einem Treffen des neuen Patriarchen mit Papst Benedikt XVI. kommen werde. Zunächst müssten allerdings die Differenzen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche ausgeräumt werden. Dies hänge nicht allein von Moskau ab, so Longin.

Bei der Eröffnung des Landeskonzils hatte Kyrill am Dienstag Kompromisse mit anderen christlichen Konfessionen in Glaubensfragen ausgeschlossen. Ziel des zwischenkirchlichen Dialogs sei der Kampf gegen die Marginalisierung der Religion und die Verteidigung der Moral. Es war die erste Patriarchen-Wahl seit dem Ende der Sowjetunion. Das Kirchenoberhaupt wird auf Lebenszeit gewählt.

In einer Erklärung des Päpstlichen Einheits-Rats begrüßte Kardinal Walter Kasper die Wahl Kyrills, mit dem man „schon seit Jahren brüderliche Beziehungen“ und pflege und der Benedikt XVI. unmittelbar nach dessen Wahl zum Papst im April 2005 und dann wieder im Mai 2006 und im Dezember 2007 begegnet sei. Kasper, der den Ökumene-Rat des Vatikans seit bald acht Jahren leitet, spricht in der Erklärung von einem „Weg der begonnenen Wiederannäherung“ an die Russisch-Orthodoxe Kirche, den man auch mit dem neuen Patriarchen gemeinsam weiterzugehen hoffe. Man wolle aber auch nicht die Schwierigkeiten aus den Augen verlieren, die noch bestünden. „Wir sind bereit“, schreibt Kasper weiter, „auf sozialem und kulturellen Gebiet zusammenzuarbeiten, um die christlichen Werte zu bezeugen“, ohne aber das letzte Ziel des Dialogs nicht zu vergessen, das in der Verwirklichung des Auftrags Jesu Christi, das heißt der vollen Einheit aller seiner Jünger, bestehe.

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