Mehr Sorge um die Nuntien

Papst Franziskus richtet für sie eine dritte Sektion im Staatssekretariat ein. Von Guido Horst

Rom (DT) Papst Franziskus hat eine Aufwertung der Angelegenheiten der päpstlichen Nuntien im Dienst der vatikanischen Diplomatie beschlossen. Wie der Vatikan vorgestern mitteilte, wird es zukünftig eine dritte Sektion im Staatssekretariat geben, die sich mit den Belangen der päpstlichen Botschafter befasst – von deren Ernennung über die Verwendung an den verschiedenen Orten bis zu deren Ruhestand und gegebenenfalls Alter und Krankheit. Leiten wird diese Sektion der polnische Erzbischof Jan Romeo Pawlowski (57). Pawlowski, der zwischen 2009 und 2015 Nuntius in Gabun und dem Kongo war, ist bereits seit Dezember 2015 für diese Aufgabe im Staatssekretariat tätig. Er soll künftig gleichberechtigt und im Range eines Päpstlichen Delegaten an den wöchentlichen Absprachen der beiden Leiter der zwei anderen Sektionen mit dem Kardinalstaatssekretär teilnehmen.

Bislang bestand das Staatssekretariat aus zwei solchen Abteilungen. Die erste Sektion für „Allgemeine Angelegenheiten“ wird von Erzbischof Angelo Becciu (69) geleitet, die zweite Sektion „für die Beziehungen zu den auswärtigen Staaten“ von dem britischen Erzbischof Paul Richard Gallagher (63). Die Maßnahme entspreche der gesteigerten Bedeutung und Wertschätzung des diplomatischen Personals im Dienst des Papstes, hieß es. So könne auch der neue Päpstliche Delegat für die Nuntien die päpstlichen Residenzen in aller Welt regelmäßig aufsuchen und, falls notwendig, besondere Reisen dorthin unternehmen.

Während Benedikt XVI. die Absprachen und die Berichterstattung der Apostolischen Nuntien weitgehend dem Kardinalsstaatssekretär überlassen hatte, hat Franziskus deren Angelegenheiten wieder als Chefsache an sich gezogen und kommt viel mit den Nuntien zusammen. Auch war ein Kurienkardinal, der großen Einfluss auf den Papst hat, Beniamino Stella von der Kleruskongregation, früher Präsident der Päpstlichen Diplomatenakademie in Rom. Bisher wurden die Angelegenheiten der Nuntien in der Welt von der ersten Sektion des Staatssekretariats bearbeitet. Nun dafür eigens eine dritte Sektion einzurichten, hat Franziskus Kardinalsstaatssekretär Pietro Parolin in einem Brief vom 18. November mitgeteilt. Ob und inwieweit diese Veränderung auf die Beratungen des Kreises der neun Kardinäle zurückgeht, ist offen. Wie der Papst an Parolin schrieb, habe er diese Maßnahme in der Überzeugung ergriffen, „denen gegenüber eine brüderlichere Aufmerksamkeit und eine eilfertigere menschliche, priesterliche, geistliche und berufliche Begleitung zukommen zu lassen, die im sogenannten diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls arbeiten, als Verantwortliche und als Mitarbeiter sowie, indem sie sich darauf vorbereiten, als Schüler der Päpstlichen Akademie“. Es geht also um menschliche Fürsorge für die Vatikandiplomaten, nicht um deren politischen Interventionen, für die nach wie vor die zweite Sektion zuständig ist. Vor allem wenn Nuntien im Ruhestand nach Rom zurückkehren, sind sie oft einsam und verlassen.

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