Mehr Schutz für das Leben Ungeborener

Polen: Kirche und Regierungspartei befürworten eine Reform des Abtreibungsgesetzes
Foto: dpa | Stärkt Lebensrechtlern den Rücken: Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo
Foto: dpa | Stärkt Lebensrechtlern den Rücken: Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo

Warschau (DT/KNA) Die katholische Kirche in Polen setzt sich für einen besseren Lebensschutz und eine Reform des Abtreibungsgesetzes ein. In einem am Mittwoch veröffentlichten Hirtenbrief fordert das Präsidium der Bischofskonferenz einen „vollen rechtlichen Schutz von ungeborenem Leben“. Man dürfe sich nicht mit der jetzigen Gesetzeslage aus dem Jahr 1993 zufriedengeben, die in bestimmten Fällen Abtreibungen zulasse.

Der Hirtenbrief soll am Sonntag aus Anlass des „Tages der Heiligkeit des Lebens“ landesweit in den Gottesdiensten verlesen werden. Das menschliche Leben müsse von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geschützt werden, heißt es in dem Schreiben. „Wir bitten die Parlamentarier und die Regierenden, Gesetze und Programme zu initiieren, die Eltern kranker Kinder und Behinderter sowie bei Empfängnis infolge einer Vergewaltigung konkret helfen“, schreiben der Episkopats-Vorsitzende Erzbischof Stanislaw Gadecki, sein Stellvertreter Erzbischof Marek Jedraszewski und Generalsekretär Weihbischof Artur Mizinski. Das polnische Abtreibungsgesetz erlaubt vorgeburtliche Kindstötung bei Missbildung oder unheilbarer Krankheit des Fötus, bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Frau sowie nach einer Vergewaltigung oder Inzest. 2014 wurden nach Angaben des staatlichen Gesundheitsfonds NFZ 1 812 Abtreibungen registriert.

Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo sprach sich für ein beinahe vollständiges Abtreibungsverbot aus. Die nationalkonservative Politikerin sagte am Donnerstag in einem Radiointerview, sie unterstütze den Gesetzesvorschlag einer Volksinitiative, der Abtreibungen außer bei Gefahr für das Leben der Frau mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Auch der Vorsitzende der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, unterstützte eine Gesetzesverschärfung. Abtreibungsgegner wollen demnächst die erforderlichen 100 000 Unterschriften beisammen haben, um die Volksinitiative beim Unterhaus des Parlaments, dem Sejm, einreichen zu können. Kaczynski sagte: „In diesem Fall stehe er als Katholik hinter der Lehre, die die Bischöfe verkünden.“ Er gehe davon aus, dass die große Mehrheit der Abgeordneten oder sogar die ganze Fraktion den Vorschlag unterstützen werden. Szydlo betonte, dass die PiS-Abgeordneten bei diesem Thema frei nach ihrem Gewissen entscheiden sollten. Für die Abtreibungsdiskussion brauche es politische Klugheit und die „vernünftige Stimme der Bischofskonferenz“.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann