„Mehr die leisen Töne“

Stimmen aus Kirche und Politik zum Tod des Berliner Kardinals Georg Sterzinsky

Berlin (DT/KNA) Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik haben das Wirken des verstorbenen Berliner Erzbischofs, Kardinal Georg Sterzinsky, gewürdigt. Er starb nach langer Krankheit am frühen Donnerstagmorgen im Alter von 75 Jahren. Er habe die Todesnachricht „mit Trauer“ aufgenommen, schrieb Papst Benedikt XVI. an das Erzbistum. Sterzinskys langjähriges Wirken an der Spitze der ehemals politisch geteilten Diözese habe „in besonderer Weise dem Dienst der Versöhnung“ gegolten. Darüber hinaus sei es Sterzinsky ein großes Anliegen gewesen, „für heimatlose Menschen, Flüchtlinge und Migranten da zu sein und ihnen durch die Familie der Kirche Heimat zu geben“.

Die Deutsche Bischofskonferenz würdigte Sterzinsky als „Architekten des neuen Erzbistums Berlin“. Nach dem Fall der Mauer habe er die zuvor getrennten Katholiken in Berlin, Brandenburg und Vorpommern zusammengeführt, schrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Donnerstag in einem Nachruf. Der frühere Erzbischof sei zu Recht auch „Hauptstadtbischof“ genannt worden, weil sein Blick stets weit über das Erzbistum hinaus gegangen sei.

Zollitsch betonte, Sterzinsky habe „mehr die leisen Töne, das gewinnende und argumentative Wort und nicht provozierende und polarisierende Stellungnahmen“ bevorzugt. Dabei habe er aber „unmissverständliche Worte an Politik und Gesellschaft gerichtet“. Zollitsch führte vor allem seinen „bemerkenswerten Einsatz“ für den Religionsunterricht an Berliner Schulen und für die Achtung des Sonntagsschutzes an. Zudem hob er Sterzinskys Engagement für Flüchtlinge etwa im Päpstlichen Rat für die Migranten sowie andere gesellschaftlich Benachteiligte hervor, ebenso seine Verdienste als Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie der Bischofskonferenz. Auch am Aufbau neuer Kirchenstrukturen und einer gesamtdeutschen Bischofskonferenz habe Sterzinsky „mit Weitblick und Umsicht mitgewirkt“, so der Freiburger Erzbischof. Er habe wie kaum ein anderer Bischof zum wechselseitigen Verständnis der Menschen in Ost und West beigetragen. „Mit ansteckender Überzeugungskraft“ habe er bereits als Seelsorger und Erfurter Generalvikar die Christen in der DDR gegenüber den staatlichen Einschüchterungsversuchen ermutigt.

Sterzinskys Amtsvorgänger im Bistum Berlin, der Kölner Kardinal Joachim Meisner, würdigte den Verstorbenen als unermüdlichen Seelsorger und tief im Glauben verwurzelten Menschen. „Er fehlte dort nie, wo er nötig war“, schreibt Meisner in einem am Donnerstag in Köln veröffentlichten Kondolenzschreiben. Den Gläubigen in der früheren DDR habe er „in den komplizierten Verhältnissen eines sozialistischen Staates klare Wegweisung und Hilfen geben“ könne. Er habe Sterzinsky schon in seiner Zeit als Kaplan und Pfarrer wegen seiner ungeheuren Arbeitskraft bewundert. Meisner erinnert in dem Brief an den Berliner Diözesanadministrator, Weihbischof Matthias Heinrich, an seine gemeinsamen Jahre mit Sterzinsky während der Studienzeit in Erfurt sowie als Kapläne in Heiligenstadt. „Die göttliche Vorsehung führte ihn vom ostpreußischen Ermland über Thüringen nach Berlin“, so der Kölner Kardinal. Sterzinsky habe die kommunistische Ära in der DDR bis zur Neige erlebt. Das wiedervereinigte Deutschland habe er im Anschluss „gleichsam an der Nahtstelle in Berlin zusammengehalten“.

Der Familienbund der Katholiken erklärte, mit ihm verliere er eine „Stimme für Familien in Kirche und Gesellschaft“. Er sei stets überzeugend für deren Belange eingetreten und habe „ausgeprägtes Verständnis für die unterschiedlichen Lebenssituationen von Familien“ gezeigt.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, erinnerte daran, dass Sterzinsky eng mit der jüngsten Geschichte der Katholikentage verbunden gewesen sei.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) würdigte den Kardinal als „herausragende Persönlichkeit“. Sterzinsky habe die Neuordnung der katholischen Kirche in den östlichen Bundesländern maßgeblich begleitet. Zudem würdigte der Ministerpräsident dessen Engagement in sozialen Fragen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lobte eine verlässliche Zusammenarbeit mit Sterzinsky, die zum guten Verhältnis der Kirchen und Religionsgemeinschaften untereinander beigetragen habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte ihn als „bedeutende Persönlichkeit, die sich über den kirchlichen Bereich hinaus hohes Ansehen“ erworben habe.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hob den Kardinal als „Seelsorger“ hervor, „der sich vor allem den Menschen am Rande der Gesellschaft annahm“. Regierungen von Brandenburg und Berlin bezeichneten den Verstorbenen als „Architekten des neuen Erzbistums Berlin“.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin erklärte, der Kardinal sei ein Mitstreiter im Kampf gegen antisemitische, rassistische und antiisraelische Tendenzen gewesen.

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